Zu den Hauptinhalten springen

In Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg

Städteranking 2026

Lebenszufriedenheit der Großstädter steigt, Erfurt neue Nummer 1

Erfurt ist in diesem Jahr die glücklichste Großstadt Deutschlands, während Rostock mit großem Abstand das Schlusslicht bildet. Insgesamt nimmt die Lebenszufriedenheit in den deutschen Großstädten weiter zu, allerdings deutlich langsamer als in den Vorjahren. Einwohner westdeutscher Städte sind zufriedener als die ostdeutscher, während süddeutsche Großstädte trotz höheren Wohlstands schlechter abschneiden. Insgesamt nähert sich die Lebenszufriedenheit in den Großstädten einem stabilen Niveau an.

Im SKL Städteranking gibt es eine Überraschung: Erfurt ist 2026 die glücklichste Großstadt Deutschlands. Die Hauptstadt Thüringens schiebt sich von Platz 6 im Vorjahr an die Spitze: mit hervorragenden 7,74 Punkten, was einem Zuwachs von 0,47 Punkten entspricht. Der bisherige Spitzenreiter Kassel fällt auf Rang 13 zurück und verzeichnet einen Rückgang von 0,28 Punkten (siehe Tabelle 1).

Erfurt steht im SKL Städteranking auf Platz 1, weil die Stadt viele Vorteile ostdeutscher Großstädte vereint, ohne deren typische strukturelle Schwächen stark auszuprägen. Im Vergleich zu anderen Städten der Region ragt Erfurt durch günstige Mieten, hohe Umweltqualität und eine leicht überdurchschnittliche wirtschaftliche Lage hervor. Gleichzeitig hebt sich die Stadt vom Trend vieler ostdeutscher Städte ab, die häufig mit höherer Arbeitslosigkeit, geringeren Einkommen und demographischen Problemen kämpfen.

Erfurt steht deshalb nicht für einen generellen Aufholprozess ostdeutscher Städte. Im Gegenteil. Die ostdeutschen Städte haben insgesamt nur um 0,03 Punkte gegenüber dem Vorjahr zugelegt. Die deutlichsten Zugewinne verzeichnen nordwestdeutsche Städte wie Kiel, Lübeck, Braunschweig, Hannover mit 0,12 Punkten. Westdeutsche Städte (wie Oberhausen, Duisburg, Mönchengladbach) verzeichnen lediglich ein Plus von 0,03 Punkten während süddeutsche (wie Augsburg, Mannheim) insgesamt um 0,05 Punkte zunahmen.

Tabelle 1: Das Glücksstädteranking

Für weitere Informationen bitte auf die Stadt klicken.

Rang
2026
Rang
2025
  Stadt Glücks-
index
2026
Rang
gemäß
»objektiver«
Indikatoren
Overperformer
oder
Underperformer?
1 (6) Erfurt 7,74 27 Overperformer
2 (4) Augsburg 7,42 11 Overperformer
3 (3) Düsseldorf 7,41 18 Overperformer
4 (2) Krefeld 7,37 36 Overperformer
5 (12) Kiel 7,34 21 Overperformer
6 (5) Aachen 7,33 19 Overperformer
7 (8) Mönchengladbach 7,31 25 Overperformer
8 (11) Oberhausen 7,30 35 Overperformer
9 (10) Duisburg 7,27 39 Overperformer
10 (9) Hamburg 7,20 14 Overperformer
  (7) Münster 7,20 3 Underperformer
12 (14) Halle (Saale) 7,17 30 Overperformer
13 (1) Kassel 7,16 12 O
  (17) Mannheim 7,16 26 Overperformer
15 (13) Bonn 7,15 5 Underperformer
16 (20) Mainz 7,14 9 Underperformer
17 (16) Chemnitz 7,12 24 Overperformer
18 (18) Lübeck 7,11 33 Overperformer
19 (23) Essen 7,09 34 Overperformer
20 (24) Köln 7,06 28 Overperformer
21 (19) Stuttgart 7,04 8 Underperformer
22 (22) Bielefeld 7,01 1 Underperformer
23 (30) Magdeburg 6,99 29 Overperformer
24 (15) Leipzig 6,98 32 Overperformer
  (27) München 6,98 10 Underperformer
26 (21) Freiburg im Br. 6,97 4 Underperformer
27 (34) Braunschweig 6,96 6 Underperformer
28 (26) Bochum 6,95 23 Underperformer
29 (32) Hannover 6,91 7 Underperformer
30 (25) Dortmund 6,90 40 Overperformer
31 (29) Dresden 6,86 13 Underperformer
32 (31) Bremen 6,85 20 Underperformer
33 (28) Wuppertal 6,82 31 O
34 (33) Gelsenkirchen 6,81 37 O
35 (37) Berlin 6,71 38 O
(36) Nürnberg 6,71 22 Underperformer
37 (38) Karlsruhe 6,57 2 Underperformer
38 (35) Frankfurt am Main 6,51 16 Underperformer
39 (39) Wiesbaden 6,50 15 Underperformer
40 (40) Rostock 5,80 17 Underperformer

Die glücklicheren Städte sind zumeist „Overperformer“: Ihre objektiv gemessene Lebensqualität (z. B. Einkommen, Beschäftigungslage) ist schlechter als die subjektiv geäußerte Lebenszufriedenheit. Bei den „Underperformern“ ist die objektive Lage besser als die subjektive Lebenszufriedenheit. In Karlsruhe, Krefeld, Oberhausen oder Wiesbaden liegen objektive Lebensqualität und subjektive Lebenszufriedenheit sehr weit auseinander.

Anmerkung: Es wurden Gewichtungsfaktoren genutzt, um möglichst hohe Repräsentativität auf Stadtebene zu erreichen.

  • Underperformer = Rang objektive Indikatoren > Glücksindex.
  • Overperformer = Rang objektive Indikatoren < Glücksindex:
    Einwohner glücklicher als es die objektiven Indikatoren erwarten lassen.
  • O = Glücksindex entspricht objektiven Indikatoren.

Quellen: Glücksatlas-Datenbank (2023-2026), eigene Berechnungen.

Die allgemeine Lebenszufriedenheit in den 40 größten Städten Deutschlands ist im Vergleich zu den Vorjahren erneut gestiegen. Auf einer Skala von 0 („ganz und gar nicht zufrieden“) bis 10 („völlig zufrieden“) erreichen die Großstädter durchschnittlich 7,02 Punkte. Der Anstieg ist vor allem darauf zurückzuführen, dass der Anteil sehr unzufriedener Menschen sinkt: Während vor zwei Jahren noch 10,6 Prozent der Befragten Werte zwischen 0 und 4 angaben, sind es inzwischen nur noch 8,6 Prozent.

Der Anteil besonders zufriedener Menschen bleibt dagegen nahezu unverändert. Zwischen dem Ranking 2025 und 2026 sank der Anteil der Hochzufriedenen (Werte 8 bis 10) lediglich minimal von 45,3 auf 45,2 Prozent. Die Menschen in den deutschen Großstädten werden also nicht »wunschlos glücklich« Der Trend geht vielmehr in Richtung einer „geringere Unzufriedenheit“. Entsprechend nimmt vor allem der Anteil mäßig zufriedener Menschen (Werte 5 bis 7) zu – von 45,1 auf 46,2 Prozent. Die Lebenszufriedenheit der Großstädter bewegt sich damit insgesamt stärker zur Mitte hin.

Die Steigerung der Lebenszufriedenheit in den Großstädten fällt im SKL Städteranking 2026 aber geringer aus als in den letzten Jahren (Abbildung 1). Im Übergang vom Städteranking 2024 zum Ranking 2025 stieg die Lebenszufriedenheit noch um 0,13 Punkte – von 6,84 auf 6,97. Für das Städteranking 2026 wurden insgesamt 23.286 Menschen (zwischen 16-84 Jahren) vom Institut für Demoskopie Allensbach im Zeitraum von 2022 bis 2026 repräsentativ befragt. Die Befragten leben in den 40 größten Städten Deutschlands (> 200.000 Einwohner). Pro Stadt sind es zwischen 504 (Lübeck) und 1.640 Befragte (Berlin). Dabei stellt das von uns beauftragte Institut für Demoskopie Allensbach in mündlich-persönlich Interviews folgende Frage: »Wenn Sie einmal alles in allem nehmen, wie zufrieden sind Sie insgesamt zurzeit mit Ihrem Leben? Null bedeutet 'überhaupt nicht zufrieden', und Zehn: 'völlig zufrieden'.« Die Befragungsteilnehmer wurden nach einem Zufallsprinzip ausgewählt und mündlich-persönlich befragt. Sie bewerten dabei individuell, was ihr Leben lebenswert macht.

Für das Städteranking werden jeweils drei Befragungsjahre zusammengefasst, um belastbare Ergebnisse zu erhalten. Der starke Anstieg der Lebenszufriedenheit im Ranking 2025 hing vor allem damit zusammen, dass das von der Corona-Pandemie geprägte Jahr 2021 aus der Berechnung herausfiel. Im Ranking 2026 steigt die Zufriedenheit zwar weiter von 6,97 auf 7,02 Punkte, der Zuwachs fällt mit +0,05 Punkten jedoch deutlich geringer aus. Das deutet darauf hin, dass sich die Lebenszufriedenheit in den Großstädten auf einem stabilen Niveau einpendelt und die Erholung nach der Pandemie weitgehend abgeschlossen ist.

Abbildung 1: Lebenszufriedenheit der Großstädter bewegt sich auf Zufriedenheitsplateau zu

Die Lebenszufriedenheit der Großstädter in Deutschland hat im Städteranking von 2026 (7,02 Punkte) im Vergleich zum Vorjahr (6,97 Punkte) um 0,05 Punkte zugelegt. Der Anstieg fällt aber schwächer aus als zwischen 2024 und 2025 (+0,13 Punkte).

Anmerkungen:
Fälle insgesamt von Januar 2021 bis April 2026 = 36.563 Befragte.

Quellen: IfD Allensbach, eigene Berechnungen.

Ostdeutsche Großstädter am unglücklichsten, Erfurt sticht aber heraus

Abbildung 2 zeigt, wie sich die Lebenszufriedenheit zwischen den Großstädten regional verteilt und Tabelle 2 zeigt darüber hinaus, wie sich die Großstädte in den jeweiligen Regionen in ihrer objektiven Lebensqualität unterscheiden. Neben der subjektiven Lebenszufriedenheit wurde ein Index der objektiven Lebensqualität aus 30 Indikatoren erstellt – sortiert in die acht Kategorien Wohnen, Kriminalität, Demographie, Infrastruktur, Wohlstand und Arbeitsmarkt, Gesundheit, Familie und Bildung sowie Umweltqualität. In Tabelle 1 vergleichen wir den Rang, den eine Stadt aufgrund der subjektiven Lebenszufriedenheit ihrer Bewohner erhalten mit dem Rang, den man mithilfe der objektiven Lebensqualität ermittelt. Wer eine höhere durchschnittliche Lebenszufriedenheit aufweist als gemäß objektiver Indikatoren zu erwarten gewesen wäre, wird als »Overperformer« bezeichnet, andersherum gilt man als »Underperformer«.

Dabei zeigt sich: Es sind nicht zwangsläufig die Städte mit den besten Lebensbedingungen, in denen die Menschen auch am zufriedensten sind. In manchen Fällen klaffen beide Werte deutlich auseinander. So kommt Karlsruhe zwar beim Lebensqualitäts-Ranking auf den ausgezeichneten 2. Platz (von 40), landet bei der Lebenszufriedenheit aber nur auf Rang 37 (siehe Tabelle 1). Auch München, in vielen nationalen und internationalen Rankings regelmäßig unter den Top-Städten, erreicht in Sachen Lebenszufriedenheit lediglich Platz 24. Ganz anders Spitzenreiter Erfurt: Trotz schlechter Rahmenbedingungen – Platz 27 bei der Lebensqualität – geben die Menschen dort die höchste Lebenszufriedenheit aller 40 Städte an. (Zu jeder Stadt steht ein Factsheet bereit, das Hintergründe zu den jeweiligen Platzierungen liefert.)

Im Vergleich der deutschen Großstädte sind die Einwohner ostdeutscher Städte am wenigsten zufrieden. Mit durchschnittlich 6,91 Punkten liegen Berliner, Dresdner und Co. spürbar unter dem Großstadtdurchschnitt von 7,02 Punkten. Besonders deutlich fällt der Abstand zu westdeutschen Großstädten aus, deren Bewohner im Schnitt 7,07 Punkte erreichen, also im Schnitt 0,16 Punkte tiefer liegen (Abbildung 2).

Die Gründe dafür liegen weiterhin vor allem in strukturellen Unterschieden. Ostdeutsche Großstädte haben eine ältere Bevölkerung, mehr Alleinlebende und geringere Wohneigentumsquoten. Gleichzeitig sind Einkommen niedriger und Arbeitslosigkeit höher als im Westen. Auch die finanzielle Ausstattung vieler Städte bleibt schwächer, was sich etwa bei Schulen, Straßen oder der Gesundheitsversorgung bemerkbar macht. Hinzu kommen niedrigere Geburten- und Heiratsraten (Tabelle 2).

Dennoch schneiden ostdeutsche Städte nicht in allen Bereichen schlechter ab. Wohnen ist dort meist günstiger, die Wege sind kürzer und der Anteil an Grünflächen höher. Zudem liegt die Depressionsrate unter dem westdeutschen Niveau. Insgesamt bieten ostdeutsche Großstädte häufig ein ruhigeres und entschleunigteres Lebensumfeld als die oft hektischeren Städte im Westen.

Erfurt ist beste Beispiel einer solchen ruhigen ostdeutschen Großstadt: Die Mieten sind gering, die Umweltqualität hoch und die wirtschaftliche Lage ist im Städtevergleich sogar leicht überdurchschnittlich. Auch wenn Erfurt demographisch anderen ostdeutschen Städten ähnelt (hohes Durchschnittsalter, unterdurchschnittliche Geburten und Eheschließungen), überrascht die hohe Lebenszufriedenheit der Erfurter mit 7,74 Punkten wenig, wenn man die Vorzüge der Stadt betrachtet: Erfurt ist beschaulich, grün und ästhetisch. Es lebt sich dort noch relativ günstig, die Umweltqualität ist hoch.

Vergleichbar mit der Lebenssituation Erfurts ist diejenige in Chemnitz (Rang 17; 7,12 Punkte), Halle an der Saale (Rang 12; 7,17 Punkte) und Magdeburg (Rang 23; 6,99 Punkte). Erfurt ist in den meisten Indikatoren aber ein Stückchen stärker als die anderen genannten Städte – so lebt in Erfurt im ostdeutschen Vergleich der kleinste Anteil allein und die Zahl der Sozialhilfeempfänger ist deutschlandweit mit die geringste.

Rostock zählt zwar ebenfalls zu den ruhigeren ostdeutschen Großstädten, landet mit nur 5,80 Punkten jedoch auf dem letzten Platz des Glücksrankings – und der Abstand zum Vorletzten wächst seit drei Jahren kontinuierlich. Auf den ersten Blick überrascht das: Bei Kriminalität, Infrastruktur und Umweltqualität schneidet die Hansestadt sogar überdurchschnittlich ab.

Abbildung 2: Großstädte im Nordwesten und Westen am glücklichsten, Städte im Süden und Osten schwächer

Vor allem nordwestdeutsche Großstädter gewinnen im SKL Städteranking 2026 an Lebensglück hinzu (+0,12 Punkte). In anderen Landesteilen fällt die Zunahme mit +0,05 Punkten (Süden) und +0,03 Punkten (Westen und Osten) mäßig aus. Personen aus Großstädten im (Nord-)Westen sind glücklicher als diejenigen aus süd- oder ostdeutschen Großstädten.

Anmerkungen:

  • Nordwestdeutsche Großstädte = Kiel, Lübeck, Hamburg, Bremen, Braunschweig, Hannover.
  • Westdeutsche Großstädte = Bielefeld, Münster, Dortmund, Bochum, Essen, Gelsenkirchen, Oberhausen, Duisburg, Krefeld, Mönchengladbach, Düsseldorf, Aachen, Wuppertal, Köln, Bonn, Mainz, Kassel, Frankfurt am Main, Wiesbaden, Mainz.
  • Süddeutsche Großstädte = Mannheim, Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg im Breisgau, Augsburg, München, Nürnberg.
  • Ostdeutsche Großstädte = Chemnitz, Leipzig, Dresden, Erfurt, Halle an der Saale, Magdeburg, Berlin, Rostock.

Fälle insgesamt von Januar 2021 bis April 2026 = 36.563 Befragte.

Quellen: IfD Allensbach, eigene Berechnungen.

Der Blick auf die Sozialstruktur erklärt jedoch die geringe Lebenszufriedenheit. Rostock gehört zu den ältesten Großstädten Deutschlands, mehr als die Hälfte der Einwohner lebt allein. Gleichzeitig verzeichnet die Stadt eine der niedrigsten Geburtenraten und die zweitniedrigste Eigentumsquote. Im Vergleich zu anderen Großstädten wirkt Rostock dadurch fast „bedrückend still“. Vieles deutet darauf hin, dass sich die Stadt zunehmend an den Bedürfnissen einer älteren Bevölkerung orientiert. Während die Ärztedichte zu den höchsten im Städtevergleich zählt, verlässt gleichzeitig jeder zehnte Schüler die Schule ohne Abschluss.

Die drei ostdeutschen Metropolen Berlin (Rang 35; 6,71 Punkte), Dresden (Rang 31; 6,86 Punkte) und Leipzig (Rang 24; 6,98 Punkte) liegen allesamt im unteren Drittel des Glücksrankings. Ein wesentlicher Grund dafür ist ihre Größe: Mit zunehmender Stadtgröße sinkt im Durchschnitt die Lebenszufriedenheit – ein Muster, das sich mit wenigen Ausnahmen wie Hamburg oder Düsseldorf durch das gesamte Städteranking zieht. Große Städte finden sich daher insgesamt häufiger im unteren Bereich wieder. Hinzu kommt, dass die drei Metropolen viele strukturelle Gemeinsamkeiten mit kleineren ostdeutschen Großstädten aufweisen: Sie profitieren zwar von vergleichsweise günstigen Lebenshaltungskosten und einer oft guten Umweltqualität, stehen jedoch zugleich vor ähnlichen demographischen und ökonomischen Herausforderungen wie ältere Bevölkerungsstrukturen und schwächere Einkommenslagen im Vergleich zu west- und süddeutschen Städten.

Berlin fällt innerhalb dieses Dreiervergleichs besonders auf. Trotz ähnlicher Einkommensniveaus wie im Westen sind die Mieten hoch, die Infrastruktur wird von den Bewohnern unterdurchschnittlich bewertet und die Kriminalitätsrate liegt über der von Leipzig und Dresden. Auch die mentale Gesundheit der Bevölkerung ist im Vergleich schwächer. Gleichzeitig zeigt sich Berlin als sozialer Extremfall: Nirgendwo sonst ist der Anteil der Einpersonenhaushalte so hoch (56,8 Prozent). Zugleich weist die Hauptstadt aber auch überdurchschnittlich hohe Geburtenzahlen auf – mehr als in Städten wie Bremen, Stuttgart oder Dortmund und deutlich mehr als in Dresden oder Leipzig.

Süddeutsche Großstädte: Hoher Wohlstand, aber nur mäßige Lebenszufriedenheit

Wer in einer süddeutschen Großstadt wohnt, genießt einige Vorzüge. Die Einkommen und die Wohneigentumsquote sind hoch, die Kriminalität ist niedrig und die Bildungs- wie Gesundheitsversorgung sind vorbildlich (Tabelle 2). Trotzdem berichten die Einwohner der süddeutschen Großstädte von einer eher mäßigen bis geringen Lebenszufriedenheit. Mit durchschnittlich 6,98 Punkten ist der süddeutsche Großstädter zwar um 0,07 Punkte glücklicher als der ostdeutsche Großstädter, aber andererseits um 0,08 bis 0,09 Punkte unglücklicher als die Einwohner (nord-)westdeutscher Großstädte (Abbildung 1).

Überdies fallen im Süden die großen Diskrepanzen zwischen der subjektiven Lebenszufriedenheit auf der einen Seite und der objektiven Lebensqualität auf der anderen Seite auf (Tabelle 1). Gemessen an den objektiven Indikatoren müsste zum Beispiel Karlsruhe (Rang 37; 6,57 Punkte) auf Rang 2 landen, liegt aber am unteren Ende des Glücksrankings. Ähnlich verhält es sich in Freiburg im Breisgau (Rang 26; 6,97 Punkte): Die objektiven Indikatoren sehen die südbadische Stadt auf Rang 4, die Einwohner bewerten ihre Leben aber unterdurchschnittlich. Beide Städte verbindet eine gute wirtschaftliche Situation und im deutschlandweiten Vergleich eine vorbildliche Versorgung mit öffentlichen Gütern (Bildung und Gesundheit). Nachteile sind rar in den Städten: In Freiburg ist die Wohnsituation im deutschlandweiten Vergleich die zweitschlechteste, Karlsruhe wiederum hat eine schnell alternde Bevölkerung.

Tabelle 2: Objektive Indikatoren und ihre Verbindung zur Lebenszufriedenheit

++   = Ränge 1-9 in dem jeweiligen Indikator
+    = Ränge 10-19 in dem jeweiligen Indikator
–    = Ränge 20-29 in dem jeweiligen Indikator
– –  = Ränge 30-40 in dem jeweiligen Indikator

Hinsichtlich der Lebenszufriedenheit schneidet im Süden Augsburg (Rang 2; 7,42 Punkte) am besten ab (Tabelle 1). Die Stadt ist »balancierter« als Freiburg oder Karlsruhe. Die Mietpreise sind etwas gemäßigter, die Demographie etwas schwächer als in Freiburg. Dafür ist die Bildungs- und Gesundheitsversorgung ähnlich gut und die Kriminalität im Städtevergleich die geringste. In die gleiche Richtung wie Augsburg schlägt Mannheim (Rang 13; 7,16 Punkte) – mit der Ausnahme einer höheren Kriminalität.

Die Lebenszufriedenheit in den zwei süddeutschen Metropolen – München (Rang 24; 6,98 Punkte) und Stuttgart (Rang 21; 7,04 Punkte) – ist im Städtevergleich zwar unterdurchschnittlich. Im Vergleich zu anderen Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern liegen beide aber im Mittelfeld. Trotzdem würde man wohl angesichts des hohen Wohlstands eine höhere Lebenszufriedenheit erwarten. Aber: München ist die teuerste Großstadt Deutschlands, zudem gibt es viele Alleinlebende. In Stuttgart sind die Lebenshaltungskosten ebenfalls hoch, zudem ist die Umweltqualität im Städtevergleich die schlechteste.

Nordwestdeutsche Großstädte mit stärkster Zunahme an Lebenszufriedenheit

Die Einwohner nordwestdeutscher Großstädte erlebten in den letzten fünf Jahren die stärksten Zufriedenheitsgewinne (Abbildung 2). Noch im Städteranking 2024 lag die durchschnittliche Lebenszufriedenheit im Nordwesten bei 6,79 Punkten, stieg aber bis heute auf 7,06 Punkte an (+0,27 Punkte). In anderen Großstädten kam es nicht zu solchen Anstiegen im Wohlbefinden. Allerdings starteten sie auch von einem besonders niedrigem Niveau. Insofern sollte die starke Zunahme eher als Erholung aus der Corona-Pandemie und Normalisierung der Zufriedenheitswerte in den nordwestdeutschen Großstädten gesehen werden.

Den nordwestdeutschen Großstädten sind eine gute Infrastruktur und Umweltqualität gemein. In Braunschweig (Rang 27; 6,96 Punkte), Bremen (Rang 32; 6,85 Punkte) und Hannover (Rang 29; 6,91 Punkte) sind zudem die Wohneigentumsquoten hoch und die Mietpreise erschwinglich – bei gleichzeitig leicht überdurchschnittlichem Einkommen. Hamburg (Rang 10; 7,20 Punkte) ist zwar teuer, dafür aber wohlhabend und gut mit öffentlichen Gütern versorgt. In Kiel (Rang 5; 7,34 Punkte) und Lübeck (Rang 18; 7,11 Punkte) sind die Einwohner – typisch für Schleswig-Holstein – deutlich zufriedener mit ihrem Leben als es die eher durchschnittlichen Indikatoren zur Lebensqualität voraussagen würden. Trotz mäßigen Einkommens, einer unterdurchschnittlichen Wohnsituation und hohen Schulabbrecherquoten sind die Kieler und Lübecker mit ihrem Leben überdurchschnittlich zufrieden.

In den Großstädten in NRW lebt es sich im Durchschnitt am besten, Kassel fällt ab

In westdeutschen Großstädten ist die Lebenszufriedenheit mit 7,07 Punkten am höchsten (Abbildung 2). Besonders positiv fallen Städte im äußersten Westen bzw. im Regierungsbezirk Düsseldorf auf. So liegt das subjektive Wohlbefinden in Düsseldorf (Rang 3; 7,41 Punkte), Krefeld (Rang 4; 7,37 Punkte), Aachen (Rang 6; 7,33 Punkte), Oberhausen (Rang 8; 7,30 Punkte), Mönchengladbach (Rang 7; 7,31 Punkte) und Duisburg (Rang 9; 7,27 Punkte) signifikant oberhalb des Städtedurchschnitts (7,02 Punkte). Die Städte sind in den meisten Bereichen sehr unterschiedlich: Düsseldorf und Aachen sind wohlhabend, Duisburg, Oberhausen und Krefeld gehören hingegen zu den fertilsten Städten Deutschlands. Die einzige wirkliche Gemeinsamkeit scheint die Region selbst zu sein. Im SKL Glücksatlas zählen wir die Region von Aachen bis Duisburg zu den so genannten »Glücksregionen«, der Landkreis Düren fiel schon mit außergewöhnlich hohen Zufriedenheitswerten auf. Somit liegen die hohen Glückswerte womöglich an der Mentalität der Einwohner dieser Großstädte oder deren Interpretation der Zufriedenheitsskala.

Die Städte des Ruhrgebiets rangieren überwiegend im unteren Mittelfeld bis am Ende des Glücksrankings: Essen (Rang 19; 7,09 Punkte), Bochum (Rang 28; 6,95 Punkte), Dortmund (Rang 30; 6,90 Punkte), Wuppertal (Rang 33; 6,82 Punkte) und Gelsenkirchen (Rang 34; 6,81 Punkte). Auch weitere Städte in Nordrhein-Westfalen außerhalb des Ruhrgebiets zählen eher zu den sogenannten „Underperformern“: Die objektiv gemessene Lebensqualität deutet dort jeweils auf eine höhere Zufriedenheit hin, als tatsächlich berichtet wird. Dies gilt etwa für Bielefeld (Rang 22; 7,01 Punkte), Münster (Rang 10; 7,20 Punkte) und Bonn (Rang 15; 7,15 Punkte).

Eine Ausnahme bildet Köln (Rang 20; 7,06 Punkte): Trotz vergleichsweise ungünstiger struktureller Rahmenbedingungen schneiden die Kölner bei der Lebenszufriedenheit besser ab als erwartet – die subjektive Zufriedenheit übertrifft hier die objektiven Indikatoren.

Kassel (Rang 13; 7,16 Punkte) fällt im aktuellen SKL Städteranking vom Spitzenplatz des Vorjahres auf Rang 13 zurück. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Lebenszufriedenheit insgesamt eingebrochen wäre. Vielmehr hat sich die Verteilung der Antworten verschoben: Der Anteil der Hochzufriedenen sank von 55,9 auf 47 Prozent, während der Anteil der mäßig Zufriedenen von 41,2 auf 50,1 Prozent stieg. Statt häufiger die Bestnote 8 zu vergeben, wählten viele Befragte nun eher den Wert 7. Die genauen Ursachen dieser Verschiebung sind noch unklar. Insgesamt liegt Kassel damit jedoch wieder näher an seiner Position im Vergleich der objektiven Standortfaktoren, sodass subjektive Zufriedenheit und strukturelle Rahmenbedingungen derzeit stärker übereinstimmen.

Wie in jedem Jahr liegen Frankfurt am Main (Rang 38; 6,51 Punkte) und Wiesbaden (Rang 39; 6,50 Punkte) auf den unteren Rängen. In beiden Städten gibt es einen großen Anteil an Unzufriedenen: In Frankfurt geben 17 % und in Wiesbaden sogar 19,5 % Werte von 0 bis 4 an. Eine Gemeinsamkeit beider Städte ist eine hohe Ungleichheit in Einkommen und Vermögen, welche man auch in anderen ähnlich wohlhabenden Städten wie Stuttgart oder München (welche ebenfalls enttäuschende Glückswerte aufweisen) findet. Eine hohe ökonomische Ungleichheit senkt für den ärmeren Teil der Bevölkerung die Möglichkeit, am gesellschaftlichen Alltag in der Stadt teilhaben zu können, während sich Wohlhabendere in eigene Milieus zurückziehen. Was Frankfurt und Wiesbaden ebenfalls mit Stuttgart und München gemein haben, sind eine schlechte Umweltqualität sowie eine überforderte Infrastruktur.


Zu dem oben stehenden Web-Artikel gibt es eine ausführliche Studie auf der Presseseite des SKL Glücksatlas. Hier finden Sie weitere Informationen zu den Daten, der statistischen Auswertung und den Quellen für die »objektive Lebensqualität«. Außerdem finden Sie durch Klicken auf eine Stadt in Tabelle 1 zu jeder Stadt ein vierseitiges Factsheet mit tiefergehenden Daten zur Lebens­zufrieden­heit und einem Stärken-Schwächen-Profil.

Datenbasis für das Städteranking 2026

Das Städteranking 2026 erscheint als Sonderstudie im Rahmen des SKL Glücksatlas. Für das Städteranking 2026 wurden insgesamt 23.286 Menschen (zwischen 16-84 Jahren) vom Institut für Demoskopie Allensbach im Zeitraum von 2022 bis 2026 repräsentativ befragt. Im Vergleich dazu basierte das Städteranking 2025 noch auf Daten aus dem Zeit-raum 2022 bis 2025, und das Städteranking 2024 auf Daten aus den Jahren 2021 bis 2024.

Die Rohdaten aus den Befragungen wurden der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zugeleitet und dort von Prof. Dr. Raffelhüschen und seinem Team mithilfe eines statistischen Datenanalyseprogramms ausgewertet.

Das Städteranking 2026 im Rahmen des SKL Glücksatlas

Der SKL Glücksatlas ist die aktuellste Datenbank zur Lebenszufriedenheit der Deutschen. Die wissenschaftliche Leitung hat Professor Dr. Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg. Unter skl-gluecksatlas.de werden kontinuierlich aktuelle Daten, Analysen und Sonderstudien über die Entwicklung der Lebenszufriedenheit in Deutschland bereitgestellt und da mit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht – in Kooperation mit der SKL.

Die Staatlichen Klassenlotterien SKL stehen für die tägliche Chance auf Glück in Form von Geld- und Sachgewinnen. Beim SKL Millionenspiel werden z. B. im Verlauf der Lotterie über 3,2 Millionen Gewinne im Wert von bis zu 20 Millionen Euro ausgespielt – staatlich garantiert. Der Mindesteinsatz beträgt 15 Euro pro Monat. Veranstalterin der SKL ist die GKL Gemeinsame Klassenlotterie der Länder, die darüber hinaus auch die NKL anbietet. Seit 2022 engagiert sich das Unternehmen als assoziierter Partner des SKL Glücksatlas in der wissenschaftlichen Erforschung von Lebenszufriedenheit und Glück in Deutschland.


Die Lebenszufriedenheit in Deutschland legt 2025 eine Verschnaufpause ein: Sie stagniert nahezu und liegt mit 7,09 Punkten auf dem soliden Niveau vor der Pandemie. Während die Menschen mit Arbeit, Familie und Freizeit zufriedener sind, trübt vor allem die sinkende Einkommenszufriedenheit das Gesamtbild, besonders in den unteren Einkommensgruppen. Regional rücken die Werte enger zusammen. Von allgemeiner Unzufriedenheit kann keine Rede sein.

Nach oben