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In Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg

Die Erfahrungen der ersten Lebensjahre wirken weit über die Kindheit hinaus. Menschen mit glücklicher Kindheit sind später zufriedener, gesünder und leben häufiger in stabilen Partnerschaften. Ein sicherer Bindungsstil und ein stabiles Selbstwertgefühl können Belastungen aus frühen Lebensjahren teilweise ausgleichen.

Fast jede zweite Person in Deutschland (46,7 Prozent) blickt auf eine glückliche Kindheit zurück. Knapp 16 Prozent erinnern sich hingegen an eine unglückliche Kindheit. Die Erfahrungen der frühen Lebensjahre wirken bis ins Erwachsenenalter nach: bei der allgemeinen Lebenszufriedenheit ebenso wie in Beziehungen, im Berufsleben und in der Freizeit. In allen Bereichen schneidet die Gruppe mit unglücklicher Kindheit deutlich schlechter ab.

Abbildung 1 verdeutlicht das Ausmaß dieser Prägung: Zwischen Menschen mit einer glücklichen und einer unglücklichen Kindheit liegen in allen abgefragten Lebensbereichen mindestens 1,5 Punkte auf einer Skala von 0 bis 10. Bei der Zufriedenheit mit der Familie beträgt der Abstand sogar 2,3 Punkte. Grundlage sind die Angaben von 5.148 Befragten im Alter von 18 bis 70 Jahren. Menschen mit unglücklicher Kindheit sind zudem häufiger arbeitslos, seltener in festen Partnerschaften, öfter geschieden und bewerten ihren Gesundheitszustand deutlich schlechter.

Abbildung 1: Personen mit einer glücklichen Kindheit sind auch in allen Lebensbereichen zufriedener

Durchschnittliche Zufriedenheit: Zufriedenheiten werden auf der Skala von 0 (»überhaupt nicht zufrieden«) bis 10 (»völlig zufrieden«) gemessen.

Datenbasis: Glücksatlas-Onlinebefragung 2025, n = 5.148.

Anmerkung: Für die Bereichszufriedenheit einfache Mittelwerte.

Quellen: Glücksatlas-Datenbank, 2025, eigene Berechnungen.

Was macht eine glückliche Kindheit aus? Zentral ist sicherlich das Verhältnis zu den Eltern. Dabei spielt der Bindungsstil, also die Art, wie Menschen Nähe, Vertrauen und emotionale Sicherheit im Elternhaus erleben, eine wichtige Rolle. Wer als Kind verlässliche, emotional verfügbare Bezugspersonen hatte, entwickelt einen sicheren Bindungsstil. Diese Menschen können später in einer Beziehung Konflikte konstruktiv lösen, haben keine Angst vor emotionaler Nähe oder vor Zurückweisung.

Doch Kindheitsglück und Bindungsstil sind keine Synonyme. Ein Kind mag im Elternhaus vielleicht Wohlstand, schöne Ferien und materielle Sicherheit erleben, aber die Eltern sind emotional distanziert. Zuwendung bekommt das Kind nur, wenn es funktioniert und Leistung abliefert, etwa durch gut Noten in der Schule. Das Kind kompensiert diese Distanz möglicherweise durch Freundschaften und Sport und bewertet die Kindheit im Ganzen positiv. Aber die Bindungsfähigkeit bleibt dennoch unsicher. Was bleibt, ist ein Erwachsener mit guter Kindheitserinnerung, dem in engen Beziehungen etwas fehlt.

Den umgekehrten Fall gibt es natürlich auch. Die Kindheit wird als unglücklich erinnert, aber dennoch baute das Kind einen sicheren Bindungsstil auf. So könnte diese Kindheit von einer chronischen Krankheit des Kindes oder eines Elternteils überschattet worden sein, oder vom Tod eines Geschwisters, von materieller Knappheit. Das wären alles Belastungen, die die Kindheit rückblickend verdüstern. Doch wenn die Eltern mit Wärme, Liebe und Verlässlichkeit präsent waren, bleibt der Bindungsstil sicher. Die Daten zeigen, dass Menschen, die keine glückliche Kindheit hatten, aber sicher gebunden sind, deutlich höhere Zufriedenheitswerte aufweisen als die Befragten mit unglücklicher Kindheit und unsicherem Bindungsstil.

Die Wirkung eines sicheren Bindungsstils zeigt sich im späteren Erwachsenenleben am deutlichsten dort, wo Nähe und Vertrauen gefragt sind: Er hebt die Ehe- und Beziehungszufriedenheit um 1,2 bis 1,1 Punkte gegenüber Personen mit unsicherer Bindung. Gleichwohl bleibt bemerkenswert, dass der Unterschied zwischen Menschen mit einer glücklichen und einer unglücklichen Kindheit in allen abgefragten Lebensbereichen mindestens 1,5 Punkte beträgt, also den Effekt der sicheren Bindung übertrifft.

Kindheitserfahrungen prägen die Lebenszufriedenheit stärker als Einkommen

Ob jemand mit seiner finanziellen Lage zufrieden ist, hängt für Durchschnittsverdiener stärker davon ab, wie glücklich seine Kindheit war, als davon, was er verdient. Das Medianeinkommen von rund 2.250 Euro netto pro Monat hat für Menschen mit glücklicher Kindheit nahezu keinen messbaren Effekt auf die Lebenszufriedenheit. Erst ein Einkommen deutlich über dem Median zeitigt nennenswerte Effekte. Das zeigt, dass ein mittleres Einkommen dort wenig ausrichtet, wo eine glückliche Kindheit bereits eine stabile psychische Grundlage für die Zufriedenheit gelegt hat. Bei Personen mit unglücklicher Kindheit bewirkt ein Medianeinkommen dagegen immerhin moderate Zufriedenheitsgewinne, am deutlichsten bei der finanziellen Zufriedenheit (+0,30 Punkte). Insgesamt treten materielle Ressourcen damit hinter psychischen Faktoren (Kindheitsglück, Bindungstyp) zurück.

„Was die Kindheit hinterlässt, lässt sich nicht mit Geld kompensieren. Ein höheres Einkommen verbessert die Zufriedenheit von Menschen mit unglücklicher Kindheit interessanterweise kaum. Wirksamer ist der Aufbau eines stabilen Selbstwertgefühls durch spätere Erfahrungen von Kompetenz, Leistung und sozialer Anerkennung," sagt der wissenschaftliche Leiter das SKL Glücksatlas Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen.

Der zweite Hebel: Selbstwert

Neben dem Bindungsstil ist das Selbstwertgefühl ein zweiter wirksamer Faktor. Während sichere Bindung vor allem Partnerschaften stärkt, wirkt ein hohes Selbstwertgefühl breiter: Es hebt das allgemeine Zufriedenheitsniveau an, am stärksten bei Beruf und Familie. Für Menschen mit unglücklicher Kindheit kann es als kompensatorische Ressource dienen.

Das Selbstwertgefühl entsteht nicht allein im Elternhaus. Schulische Erfolge, sportliche Leistungen, Begabungen, stabile Jugendfreundschaften, zugewandte Großeltern – all das kann es formen. Ein hohes Selbstwertgefühl, das bei 51 Prozent der Befragten vorhanden ist, steigert die Lebenszufriedenheit in nahezu allen Bereichen deutlich (um bis zu 0,60 Punkte). Es vermittelt das Gefühl, wertvoll, kompetent und von anderen anerkannt zu sein. Da sich die eigene Kindheit im Nachhinein nicht verändern lässt, liegt hier ein besonders wirksamer Ansatzpunkt, um die eigene Lebenszufriedenheit nachhaltig zu verbessern.


Datenbasis für SKL Glücksatlas Sonderstudie 2026-02

Die Auswertungen der Studie basierten auf einer Sonderbefragung, an der insgesamt 5.145 Personen im Alter zwischen 18 und 70 Jahren im Juni 2025 ausschließlich online teilnahmen. Die Befragung wurde von ipsos durchgeführt. Eine repräsentative Verteilung nach Geschlecht, Alter und Region wurde angestrebt.

Zu dem Web-Artikel existiert eine ausführliche Studie auf der Presseseite des SKL Glücksatlas. Hier finden Sie weitere Informationen zu den Daten und der statistischen Auswertung.

Die Sonderstudie im Rahmen des SKL Glücksatlas

Seit 2022 sind die Staatlichen Klassenlotterien SKL Partner des Glücksatlas. Die wissenschaftliche Leitung hat Prof. Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg. „Mit unserem Engagement für den Glücksatlas wollen wir die Forschung über Zufriedenheit und Wohlbefinden in Deutschland erweitern und die Ergebnisse der Glücksforschung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen“, sagt Dr. Bettina Rothärmel – Vorstandsvorsitzende der GKL Gemeinsame Klassenlotterie der Länder AöR, Veranstalterin der SKL.

Mit Beginn der Partnerschaft initiiert die SKL zudem eine wissenschaftliche Glücksdatenbank für Journalistinnen, Journalisten und Interessierte: Unter skl-gluecksatlas.de werden kontinuierlich aktuelle Daten, Analysen und Sonderstudien über die Entwicklung der Lebenszufriedenheit in Deutschland bereitgestellt und damit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Staatlichen Klassenlotterien SKL stehen für die tägliche Chance auf Glück in Form von Geld- und Sachgewinnen. Beim SKL-Millionenspiel werden z.B. im Verlauf der Lotterie über 3,2 Millionen Gewinne im Wert von bis zu 20 Millionen Euro ausgespielt – staatlich garantiert.



Partnerschaften machen zufriedener vor allem mit der Familie, dem Sexualleben und dem Beruf. Beziehungsglück ist eng mit einer glücklichen Kindheit verknüpft. Ein sicherer Bindungsstil legt den Grundstein für emotionale Stabilität später in der Partnerschaft. Wichtig ist zudem die Übereinstimmung mit dem Partner in Werten, Lebenszielen und Einkommen. Heirat und gemeinsames Wohneigentum festigen Beziehungen. Ein verträglicher, verbindlicher und romantischer Liebesstil erhöht die Chancen auf eine erfüllte Partnerschaft.

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