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In Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg

Einkommen / Vermögen

Wie Geld und Glück zusammenhängen

Das Haushaltseinkommen ist wichtig für die Lebenszufriedenheit, denn damit bestreiten wir unseren Lebensunterhalt und erfüllen uns Wünsche. Höheres Einkommen bedeutet also höhere Lebenszufriedenheit, könnte man meinen. Das stimmt so vereinfacht dargestellt aber nicht. Aber wie zufrieden sind die Menschen mit ihrem Einkommen und wovon hängt die Einkommenszufriedenheit ab?

Zunächst einmal ein positiver Aufwärtstrend: Seit Beginn der Messungen (also seit 1984) sind die Deutschen mit ihrem Haushaltseinkommen im Schnitt Jahr für Jahr zufriedener geworden. Abbildung 1 zeigt den Verlauf ab 1991, der vom Glücksatlas jährlich aktualisiert wird. Von 2004 bis 2019 verbesserte sich die Einkommenszufriedenheit besonders stark: Betrug sie 2004 im Durchschnitt noch 6,22 Punkte (auf der Skala von 0 bis 10), erhöhte sie sich bis 2019 auf 7,18 Punkte – das ist ein sattes Plus von 0,96 Punkten.

Abbildung 1: Steigendes Haushaltseinkommen = steigende Einkommenszufriedenheit

Die Einkommen steigen seit 1991 kontinuierlich (graue Balken), und auch die Zufriedenheit mit dem Einkommen nimmt zu (blaue Linie). In der Coronakrise hat sich diese Beziehung allerdings umgekehrt.

Zufriedenheit mit dem Haushaltseinkommen: Skala von 0 (ganz und gar unzufrieden) bis 10 (völlig zufrieden). Haushaltsnettoeinkommen 2021: Schätzung auf Grundlage der Einkommensentwicklung 2015 bis 2020.

Quellen: Sozio-oekonomisches Panel 1991-2019, Glücksatlas-Datenbank 2020/2021, OECD 2020, Statistisches Bundesamt 2021.

Ein wichtiger Grund für die gestiegene Zufriedenheit mit dem Einkommen ist natürlich, dass im gleichen Zeitraum die realen Haushaltsnettoeinkommen ebenfalls (fast immer) gestiegenen sind – darunter versteht man das Einkommen bereinigt um die Inflation und nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben. Zwischen 2004 und 2019 konnten wir uns jedes Jahr mehr leisten. 2004 hatte der durchschnittliche Haushalt in Deutschland insgesamt 36.740 Euro für Wohnen, Mobilität, Nahrung etc. zur Verfügung – im Monat also im Durchschnitt etwa 3.000 Euro. 2019 waren es mit 3.650 Euro pro Monat deutlich mehr (im Jahr ca. 44.000 Euro).

Sinkende Einkommenszufriedenheit in der Corona-Krise

Wer mehr verdient, ist mit diesem Mehrverdienst zumeist auch glücklicher. Im Gleichtakt steigen (oder sinken) Einkommen und Zufriedenheit aber nicht. So stieg die Einkommenszufriedenheit in den zwanzig Jahren zwischen 1999 und 2019 etwas schwächer (16,22%) als die Realeinkommen im selben Zeitraum (19,22%). Die Beziehung zwischen Einkommen und Zufriedenheit ist somit eng, aber nicht starr. Es kann etwas dazwischenkommen.

Die Coronakrise ist dafür ein gutes Beispiel. Sie hat in den Jahren 2020 und 2021 diese Beziehung geradezu umgekehrt. Abbildung 1 zeigt, dass in diesen beiden Jahren die Einkommen weiter anstiegen (2021: geschätzt), die Zufriedenheit damit aber stark abnahm. Vermutet wird hier ein negativer Konsumeffekt: Die zusätzlichen Einkommen konnten nicht ausgegeben werden. Der Spaßfaktor, den man von seinem Geld hat, wurde durch die Lockdowns, Kontakt- und Ausgangssperren erheblich gemindert. Gaststätten, Freizeit- und Kultureinrichtungen waren lange geschlossen, Urlaubsreisen verboten bzw. erschwert. Die Deutschen sparten seit Ausbruch der Pandemie 16,4 Prozent mehr pro Jahr als vor der Krise (Stand: 3. Quartal 2021).

Andere Gründe für die sinkende Einkommenszufriedenheit trotz steigender Einkommen in der Corona-Krise sind Unsicherheiten und Verlustängste: Viele Deutsche erwarten starke wirtschaftliche Verwerfungen für die Zeit nach der Pandemie und passen ihre Einkommensansprüche an. Die Lohnerhöhung reicht somit nicht mehr aus, um für die erwarteten »schlechten Zeiten« dann auch noch mehr Zufriedenheit zu erzeugen. Sobald der Coronaausnahmezustand beendet ist, dürfte sich aber die alte Korrelation wieder einstellen.

Nicht alle steigenden Einkommen machen zufriedener

Unsere Einkommenszufriedenheit kennt eine spannende Besonderheit: Die Realeinkommen müssen um einen bestimmten Mindestprozentsatz wachsen, damit die Einkommenszufriedenheit stabil bleibt. Wenn das Realeinkommen »nur« stagniert, sinkt nämlich gleichzeitig die Zufriedenheit mit dem Haushaltseinkommen.

Damit die Einkommenszufriedenheit stabil bleibt, muss das reale Einkommen also wachsen – in Deutschland sind es pro Jahr mindestens 0,6 Prozent Lohnwachstum. Das klingt wenig, ist aber erheblich: Denn es geht um jährliche reale Zuwächse für die gesamte Bevölkerung, das heißt wir alle müssen uns jedes Jahr 0,6 Prozent mehr leisten können, damit wir gleich glücklich mit unseren Haushaltseinkommen bleiben.

Es muss also immer mehr sein, um das Zufriedenheitsniveau zu halten. Woher kommt das? Eine Erklärung sieht die Glücksforschung in den steigenden Ansprüchen. Wir passen unsere Ausgaben relativ schnell an unsere (höheren) Einnahmen an. Nach einer Gehaltserhöhung nimmt die Zufriedenheit mit unserem Einkommen zwar kurzfristig zu, wir gewöhnen uns aber bald an das höhere Konsumlevel und unser Glücksniveau kehrt auf den alten Stand zurück.  

Bei einigen kann es sogar zum so genannten »Backfire-Effekt« (deutsch: »nach hinten losgehen«) kommen. Damit gemeint sind übertriebene Erwartungen an ein zukünftiges höheres Gehalt. Wenn das höhere Einkommen dann da ist, stellt sich bei manchen die große Ernüchterung ein: Vom Mehrverdienst kann man sich doch weniger leisten als gedacht. Die Folge: Die Zufriedenheit mit dem Haushaltseinkommen kann dann sogar sinken

Die Zufriedenheit mit dem Einkommen hängt auch davon ab, in welchem Bundesland man lebt

Ein Bundesländervergleich zeigt: Es gibt Länder mit eher geringen Durchschnittseinkommen, die zufrieden sind, und es gibt Länder mit hohen Einkommen, die nur mäßig glücklich sind. Die Hessen verdienen die höchsten Durchschnittseinkommen, dementsprechend hochzufrieden sind sie auch damit. In Mecklenburg-Vorpommern sind die Einkommen tief und schwach ist auch die Zufriedenheit. Aber dieser Zusammenhang ist nicht überall so.

Abbildung 2 zeigt die Einkommenszufriedenheit in den Bundesländern für das Jahr 2021 (linke Seite). Auf der rechten Seite sind die durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen abgebildet. Am glücklichsten sind die Schleswig-Holsteiner (7,34 Punkte) mit ihren Einkommen. Dabei gehören sie gar nicht zu den reichsten Regionen, sondern liegen nur im Mittelfeld. Relativ unglücklich mit ihren Einkommen sind die Baden-Württemberger, obwohl sie zu den Topverdienern gehören.

Zufriedenheit mit dem Haushaltseinkommen

Baden-Württemberg Bayern Berlin Brandenburg Bremen Hamburg Hessen Mecklenburg-Vorpommern Niedersachsen Nordrhein-Westfalen Rheinland-Pfalz Saarland Sachsen Sachsen-Anhalt Schleswig-Holstein Thüringen
  • Über 7,0
  • 6,81 bis 7,0
  • 6,61 bis 6,8
  • 6,41 bis 6,6
  • 6,21 bis 6,4

Durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen

Baden-Württemberg Bayern Berlin Brandenburg Bremen Hamburg Hessen Mecklenburg-Vorpommern Niedersachsen Nordrhein-Westfalen Rheinland-Pfalz Saarland Sachsen Sachsen-Anhalt Schleswig-Holstein Thüringen
  • Über 3.600€
  • 3.401 bis 3.600€
  • 3.201 bis 3.400€
  • 3.001 bis 3.200€
  • Weniger als 3.000€

Abbildung 2: Neue Erklärzeile: Einkommenszufriedenheit und Nettoeinkommen korrelieren zumeist, aber nicht immer. Die reichen Baden-Württemberger (dunkelgrün rechts) sind aber nur mäßig zufrieden (mittelblau links)

Quelle: Glücksatlas-Datenbank 2021, Statistisches Bundesamt 2021.

Nur: Warum sind die einen mit geringen Einkommen so zufrieden, während andere mit ihrem hohen Einkommen eher mäßig glücklich sind? Eine Theorie bezieht sich auf die Ungleichverteilung von Einkommen (Alesina et al. 2004): Wer bemerkt, dass in seinem Umfeld die Menschen deutlich wohlhabender sind als man selbst, ist mit seinem Einkommen tendenziell unzufriedener. Wir können mit unseren Daten diese Theorie allerdings nicht bestätigen. Abbildung 3 zeigt die Ungleichheit mittels des so genannten Gini-Indexes, der von 0 bis 1 geht: 0 bedeutet vollkommene Gleichheit und 1 vollkommene Ungleichheit. Sachsen und Thüringen haben in Deutschland mit einem Wert von 0,25 die größte Gleichheit in den Einkommen, die Hansestadt Hamburg hingegen mit 0,32 die größte Ungleichheit.

Abbildung 3: Ungleich, aber glücklich – gleich, aber unglücklich?

Der Zusammenhang zwischen Ungleichheit der Einkommen und Zufriedenheit mit dem Einkommen ist leicht positiv. Hamburg (HH) ist trotz leicht höherer Ungleichheit (0,32) auch glücklicher (6,65) als Sachsen (SN), das zwr mehr Gleichheit hat (0,25) aber davon nicht glücklicher wird (6,6).


Zufriedenheit mit dem Haushaltseinkommen: Skala von 0 (ganz und gar unzufrieden) bis 10 (völlig zufrieden). Ungleichheit: Skala von 0 (= völlige Gleichheit) bis 1 (= völlige Ungleichheit).

Quellen: Glücksatlas-Datenbank 2021, Sozio-oekonomisches Panel v36.

Die Sache mit der Ungleichheit ist komplex. Es gibt in der Glücksforschung unterschiedliche Effekte, die in die jeweils entgegengesetzte Richtung laufen (Ferrer-i-Carbonell und Ramos 2014). Die eine Theorie geht davon aus, dass Ungleichheit Neid und Unzufriedenheit erzeugt. Spreizen sich die Einkommen zu stark, ist aus Sicht der Ärmeren der eigene geringe Lebensstandard Ausdruck des Scheiterns. Eine andere Theorie besagt, dass eine gewisse Ungleichheit die Einkommenszufriedenheit sogar hebt – und zwar dann, wenn die wohlhabende Person aus dem eigenen Bekanntenkreis stammt. Der hohe Lebensstandard des Freundes ist dann ein Versprechen in die Zukunft: »Wenn der das geschafft hat, dann könnte es mir es auch einmal so gut gehen...«

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