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In Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg

Alter / Geschlecht

Das Glück des aktiven Rentners

Die Rentner sind in den letzten beiden Jahrzehnten aktiver, gesünder und glücklicher geworden. In ihrem Wohlbefinden sind die heutigen Senioren nicht mehr mit den Senioren Anfang der 2000er-Jahre zu vergleichen. Das liegt vor allem daran, dass sie gesünder leben und mehr Sport machen.

Viele Senioren klagen heute scherzhaft, dass sie noch nie so viel zu tun hatten wie jetzt im Ruhestand. In der Tat sind die Älteren heute so fit wie noch nie: Nach ihrem Gesundheitszustand befragt, beurteilen 2020 – also im ersten Jahr der Coronapandemie – 32,3 Prozent der Rentner ihre Gesundheit »gute« bzw. »sehr gut« (Abbildung 1). Noch im Jahr 2000 waren es nur 21,4 Prozent.

Abbildung 1: Der Gesundheitszustand von Rentnern verbessert sich

Während der Anteil der Rentner, die über eine schlechte Gesundheit klagen, abnimmt, ist der Anteil an „fitten“ Senioren in den letzten zwanzig Jahren stetig größer geworden.

Anteil der Rentner mit über 65 Jahren, die von einem »guten« oder »sehr guten« bzw. von einem »weniger guten« oder »schlechten« Gesundheitszustand berichten. Fehlender Anteil zu 100 Prozent: »zufriedenstellende« Gesundheit.

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel v37, eigene Berechnungen.
Anmerkung: Rentner werden hier ab 65 Jahren gezählt.

Der Anteil »weniger guter« oder »schlechter« Gesundheit sank im gleichen Zeitraum von 33,4 Prozent (2000) auf 25,7 Prozent (2020). Statt eines Drittels mit schlechter Gesundheit sind es heute ein Drittel mit guter Gesundheit.

Beide Geschlechter konnten ihre Gesundheit in den letzten zwei Jahrzehnten verbessern – die Frauen aber stärker als die Männer (Abbildung 2). Während im Jahr 2000 nur 18,4 Prozent der Rentnerinnen ihren Gesundheitszustand als »gut« oder »sehr gut« einschätzten, sind es 2020 schon 30,8 Prozent, was einer Verbesserung von 12,4 Prozentpunkten entspricht. Bei den Männern stieg der Anteil von 25,6 auf 33,8 Prozent (plus 8,2 Prozentpunkte). Die Frauen haben somit erheblich aufgeholt. Generell verschlechtert sich bei Frauen früher als bei Männern im Alter die Gesundheit. Frauen berichten in Gesundheitssurveys früher von einer eingeschränkten „Mobilität und Alltagskompetenz“. Zudem schätzen Männer traditionell ihren Gesundheitszustand deutlich positiver ein als Frauen.

Abbildung 2: Männer wie Frauen im Rentenalter beurteilen 2020 ihre Gesundheit besser als noch im Jahr 2000

Senioren fühlen sich zwar immer noch gesünder als Seniorinnen, aber die Frauen haben deutlich aufgeholt. Insgesamt hat sich die Gesundheit der Älteren in den letzten beiden Jahrzehnten eindrucksvoll verbessert.

Anteil der Rentner mit über 65 Jahren, die von einem »guten« oder »sehr guten« Gesundheitszustand berichten. Fehlender Anteil zu 100 Prozent: »zufriedenstellende«, »weniger gute« oder »schlechte« Gesundheit.

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel v37, eigene Berechnungen.
Anmerkung: Rentner werden hier ab 65 Jahren gezählt.

Die kräftigste Verbesserung findet sich in der Altersgruppe der 65- bis 79-Jährigen. Statt 22,6 Prozent schätzen 2020 34,4 Prozent ihre Gesundheit als »gut« oder »sehr gut« ein – das heißt, dass im Vergleich zum Jahr 2000 heute knapp 50 Prozent mehr »jüngere Rentner« von einer guten Gesundheit berichten.

Abbildung 3: »Jüngere Ältere« und »Hochaltrige« empfinden sich beide als gesünder

Auch in der Altersgruppe der über 80-Jährigen hat sich die eigene Gesundheit in den letzten 20 Jahren verbessert: Im Jahr 2000 schätzten sich nur knapp 15 Prozent der »Hochaltrigen« als gesund ein, 2020 sind es immerhin 21,6 Prozent.

Anteil der Rentner, die von einem »guten« oder »sehr guten« Gesundheitszustand berichten. Fehlender Anteil zu 100 Prozent: »zufriedenstellende«, »weniger gute« oder »schlechte« Gesundheit.

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel v37, eigene Berechnungen.
Anmerkung: Rentner werden hier ab 65 Jahren gezählt.

Nicht nur der subjektive Gesundheitszustand der Rentner hat sich verbessert, auch die Sorgen der Älteren um die eigene Gesundheit haben in den letzten 20 Jahren abgenommen. Im Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) wird gefragt, ob man sich um die eigene Gesundheit »große Sorgen«, »einige Sorgen« oder »keine Sorgen« macht. Der Anteil derjenigen, der sich große Sorgen um die eigene Gesundheit machte, ist dabei von 32,2 Prozent im Jahr 2000 auf 19,5 Prozent im Jahr 2020 gefallen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Die Sorgen um die eigene Gesundheit nehmen bei Rentnern ab

Frühere überwogen bei Rentnern die „großen Sorgen“ über die eigene Gesundheit. Heute ist der Anteil der Rentner, die sich „keine Sorgen“ machen, größer.

Anteil der Rentner mit über 65 Jahren, die sich »keine Sorgen« oder »große Sorgen« um die eigene Gesundheit machen. Fehlender Anteil zu 100 Prozent: »einige Sorgen«.

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel v37, eigene Berechnungen.
Anmerkung: Rentner werden hier ab 65 Jahren gezählt.

Allerdings ist festzuhalten, dass der Anteil der Senioren, der sich keine Sorgen um die eigene Gesundheit macht, nicht spiegelbildlich bzw. proportional zum Anteil »große Sorgen« gestiegen ist. Statt noch 15 Prozent im Jahr 2000 sind es 2020 nun 21,6 Prozent, die sich nicht um ihre Gesundheit sorgen. Ein großer Teil der Rentner macht sich somit zwar keine große Sorgen mehr um die eigene Gesundheit, freilich bleibt aber der größte Teil der Älteren dabei, sich zumindest einige Sorgen um den Gesundheitszustand zu machen (58,9 Prozent).

Sportliche Aktivität nimmt zu

Ein weiterer Indikator für die verbesserte Gesundheit der heutigen Rentner ist das Ausmaß an sportlicher Aktivität. Abbildung 5 zeigt, dass sie aktiver und fitter geworden sind. Gemessen wird das an der Zeit, die sie täglich mit körperlicher Betätigung (Sport, Fitness, Gymnastik) verbringen. 2013 brachten sie damit durchschnittlich 39,4 Minuten zu, 2020 waren es schon 48,2 Minuten pro Tag.

Abbildung 5: Die körperlichen Aktivitäten (Sport, Fitness, Gymnastik) nehmen bei Rentnern zu

Die Zeit, die Senioren mit körperlicher Betätigung verbringen, ist heute deutlich länger als noch vor zehn Jahren. 2013 waren es 39,4 Minuten, 2020 schon 48,2 Minuten pro Tag.

Durchschnittliche Minuten der über 65-Jährigen an körperlicher Aktivität pro Tag.

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel v37, eigene Berechnungen.
Anmerkung: Rentner werden hier ab 65 Jahren gezählt.

Besonders auffällig ist der Wert für das erste Pandemiejahr 2020: Von 43,4 stieg er auf 48,2 Minuten und damit um durchschnittlich fast fünf Minuten pro Tag. Das überrascht, denn auch für Rentner waren ja die Vereinsaktivitäten erschwert und die Fitnessstudios zeitweise geschlossen. Die Älteren haben die Dauer und Häufigkeit des Spazierengehens (z.B. in Wäldern) deutlich gesteigert. Gerade die Hochaltrigen geben laut einer Altersstudie an, in der Pandemie mehr als vor der Pandemie spazieren gegangen zu sein.

Rentner haben sich im Vergleich zu anderen Altersgruppen im »Body-Mass-Index« (BMI) kaum geändert (Der »Body-Mass-Index« (BMI) errechnet sich aus dem Gewicht in Kilogramm im Verhältnis zur quadrierten Körpergröße in Meter). Zwar konnten sich auch die Senioren vom Trend eines steigenden BMI nicht frei machen (ihr BMI nahm seit 2002 um 2,3 Prozent zu), allerdings stieg der BMI der anderen Altersgruppen deutlich stärker: Der BMI von Jugendlichen unter 20 Jahren kletterte seit 2002 um 6,6 Prozent, also fast dreimal so viel wie der der Rentner. Das breite Mittelfeld zwischen 20 und 65 Jahren verzeichnet einen Anstieg von durchschnittlich 4,9 Prozent.

Abbildung 6: Der „Body-Mass-Index“ steigt in allen Altersgruppen – am ehesten konstant bleiben noch die Rentner

Gewichtsprobleme nehmen in allen Altersgruppen zu. Gemessen am Body-Mass-Index schneiden aber die Rentner am besten ab und die Jugendlichen am schlechtesten.

Body-Mass-Index aufgeschlüsselt nach Altersgruppen (im Durchschnitt). 2002 = 100.

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel v37, eigene Berechnungen.

Die „neuen“ Rentner

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der heutige Rentner im Vergleich zum Rentner von vor 20 Jahren seine Gesundheit besser beurteilt, sich körperlich mehr betätigt und sich weniger Sorgen um seinen Gesundheitszustand macht. Diese Entwicklungen finden sich sowohl für Senioren als auch für Seniorinnen und ebenso für die jüngeren Alten zwischen 65 und 79 Jahren sowie für die Hochaltrigen ab 80 Jahren (wenn auch gedämpfter). Der heutige Rentner ist ein »aktiver Rentner«, jemand, der stärker als bisher nach dem Renteneintritt »mitten im Leben« steht und verschiedensten Aktivitäten nachgehen kann.

Abbildung 7 zeigt die Entwicklung der Zufriedenheit mit der eigenen Gesundheit ab 1986 von Rentnern im Vergleich zu den jüngeren Altersgruppen. Wenig überraschend liegen die Älteren mit ihrer Gesundheitszufriedenheit weit unterhalb der Jüngeren – allerdings hat der Abstand in den letzten 35 Jahren abgenommen. Noch 1990 berichteten die Senioren von einer durchschnittlichen Gesundheitszufriedenheit in Höhe von 5,4 Punkten (auf einer Skala von 0 bis 10). 2010 waren es schon 5,7 Punkte, die Zufriedenheit mit dem Gesundheitszustand stieg bis 2022 dann sogar auf 6,0. Unbeeindruckt von der Coronapandemie entwickelt sich somit die Gesundheitszufriedenheit der Seniorinnen und Senioren stetig nach oben. Seit 1986 hat sich der Wert um 10 Prozent verbessert, d.h. die Zufriedenheit mit der Gesundheit ist in den 35 Jahren um ein Zehntel gestiegen. Dagegen ist der Wert der jüngeren Altersgruppen (plus 0,3 Prozent) nahezu konstant geblieben (Abbildung 7).

Abbildung 7: Zufriedenheit mit der Gesundheit von Rentnerinnen und Rentnern steigt

Natürlich sind die „Jüngeren“ mit ihrer Gesundheit im Schmitt zufriedener als die „Älteren“. Doch während die Zufriedenheit bei den Jüngeren konstant blieb, hat sie sich bei den Älteren deutlich verbessert.

Anteil der Rentner mit über 65 Jahren, die sich »keine Sorgen« oder »große Sorgen« um die eigene Gesundheit machen. Fehlender Anteil zu 100 Prozent: »einige Sorgen«.

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel v37, eigene Berechnungen.
Anmerkung: Rentner werden hier ab 65 Jahren gezählt.

Das Lebensglück der Rentner steigt

In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Lebenszufriedenheit der Rentner stark zugenommen (Abbildung 8). Noch 2005 lagen die Senioren bei einem durchschnittlichen Lebensglück von 6,84 Punkten, 2020 liegen sie bei 7,62 Punkten – eine immense Zunahme von fast 0,8 Punkten. Zum Vergleich: Betrachtet man die Gesamtbevölkerung im gleichen Zeitraum, zeigt sich eine Zunahme der Lebenszufriedenheit von gerade mal 0,4 Punkten. So lagen die Senioren im Trend: Das allgemeine Wohlbefinden der Deutschen hat in den letzten zwei Jahrzehnten – mit steigendem Wohlstand und einer abnehmenden Arbeitslosenquote – sukzessive zugenommen. Das Wohlbefinden der Älteren ist im Vergleich zu den jüngeren Altersgruppen aber überproportional gestiegen.

Abbildung 8: Lebenszufriedenheit der Senioren nimmt langfristig zu

Die Lebenszufriedenheit der Rentner ist kontinuierlich gestiegen, auch die Coronapandemie hat daran – im Unterschied zu Jungen und Familien – kaum etwas geändert

Allgemeine Lebenszufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden«) bis 10 (»ganz und gar zufrieden«)

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel v37, eigene Berechnungen.
Anmerkung: Rentnerinnen und Rentner werden hier ab 65 Jahren betrachtet.

Die Coronapandemie hat die Rentner wenig bis gar keine Lebenszufriedenheit gekostet. Mit den Daten des SOEP zeigt sich sogar eine leichte Verbesserung des Lebensglücks im ersten Coronajahr von 7,56 auf 7,62 Punkte (Abbildung 8). Mit den Daten des Glücksatlas lässt sich dieser Eindruck bestätigen. Abbildung 9 zeigt, wie stark die unterschiedlichen Altersgruppen unter der Pandemie gelitten haben, indem der Stand der Lebenszufriedenheit von 2019 als »Vor-Corona-Niveau« festgehalten wird.

Die Gruppe der über 60-Jährigen hat in der Coronazeit am wenigsten an Lebensglück eingebüßt. Noch im Jahr 2020 nahm der Verlauf der Lebenszufriedenheit eine U-Form an. Mit dem ersten Lockdown ab Mitte März 2020 und den damit einhergehenden Kontakteinschränkungen verloren die Rentner bis zum April 2020 knapp 7 Prozentpunkte der Lebenszufriedenheit im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau. Mit den Lockerungen im Juni 2020 erholten sich die Senioren als einzige Altersgruppe wieder fast auf das Niveau von 2019.

Abbildung 9: Rentner bleiben während der Pandemie noch am ehesten in der Nähe des Vor-Corona-Glücksniveaus

Der Verlauf der Lebenszufriedenheit während der Coronajahre 21/22 zeigt, dass der Lockdown im Januar/Februar 2021 alle Altersgruppen am härtesten traf. Insgesamt waren die Jungen (graue Linie) stärker betroffen, die über 60Jährigen am schwächsten.


Allgemeine Lebenszufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden«) bis 10 (»ganz und gar zufrieden«)

Quelle: Glücksatlas-Datenbank 2019 bis April 2022, eigene Berechnungen.
Anmerkung: Rentner werden hier ab 60 Jahren gezählt.

Über die bisherige Pandemie bis zu den neuesten verfügbaren Daten im April 2022 hinweg blieben die Rentner zwar unterhalb des Niveaus von 2019. Jedoch bleibt ihre Lebenszufriedenheit am ehesten noch in der Nähe des Vor-Corona-Niveaus (Abbildung 9). Den Tiefpunkt ihres Wohlbefindens hatten die Senioren im April 2021 erreicht (Stichwort: »Osterruhe«). 2022 bleiben die Deutschen weiterhin weniger zufrieden mit ihrem Leben als noch 2019. Allerdings zeigt sich auch hier, dass die Rentner besser abschneiden als die anderen Altersgruppen.

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