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In Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg

Alter / Geschlecht

Corona macht Frauen unglücklicher als Männer

Frauen verlieren in der Coronakrise stärker an Lebenszufriedenheit als Männer. Überraschenderweise sind Studentinnen und junge Frauen am schwersten betroffen. Aber auch das Lebensglück berufstätiger Mütter und weiblicher Selbständiger wird belastet. Die Ursachen für diese Entwicklung reichen vom Homeschooling, über Einsamkeit aufgrund von Kontaktbeschränkungen bis zu beruflichen Einschränkungen. Ergebnisse einer Studie des SKL-Glücksatlas.

Bislang hatten Frauen im Alter bis zu 65 Jahren in Sachen Glück immer einen leichten Vorsprung vor den Männern. Gemessen auf einer Skala von null bis zehn lagen sie vor Corona um 0,04 Punkte vorn. Die Pandemie hat die Lage komplett gedreht. Zwar verlieren in der Coronakrise alle an Lebenszufriedenheit – aber Frauen deutlich mehr als Männer. Nun sind die Frauen unglücklicher: Der »Happiness Gap« beträgt 0,19 Punkte. Je einschneidender die Coronamaßnahmen, desto größer die Glücksverluste. In Lockdownphasen betrug der Glücksabstand zu den Männern im Schnitt 0,2 Punkte, am größten war er mit 0,4 Punkten im Mai 2021.

Einsamkeit durch fehlende soziale Kontakte

Was besonders überrascht: Junge Frauen bis 25 waren vor Corona nicht nur die glücklichsten Menschen des Landes, sie waren auch zufriedener als gleichaltrige junge Männer, ihr Glücksvorsprung betrug 0,2 Punkte. Während der Coronaphase verloren sie 0,6 Punkte, die jungen Männer aber nur 0,3 Punkte. Vor der Pandemie waren sie zufriedener als die Männer, in der Pandemie sind sie eindeutig unglücklicher geworden. Bei Studentinnen und alleinlebenden jungen Frauen (bis 35) sieht es ähnlich aus. Studentinnen verlieren in der Pandemie 0,8 Punkte, Studenten »nur« 0,2 Punkte. Alleinlebende junge Frauen verlieren 0,9 Punkte, alleinlebende junge Männer »nur« 0,6 Punkte.

Abbildung 1: Glücksvorsprung der Frauen kippt durch Corona ins Gegenteil

Vor Corona sind vor allem junge Frauen (blaue Linie) glücklicher als junge Männer. Während der Pandemie kehrt sich das um: Die Männer (gestrichelte graue Linie) verlieren weniger Lebensglück und stehen nun besser da als die Frauen.

Allgemeine Lebenszufriedenheit im Durchschnitt (0 = »ganz und gar unzufrieden« bis 10 = »völlig zufrieden«).

Quelle: Glücksatlas-Datenbank 2011 bis 2022.

Woran liegt das? Anders als erwerbstätige Mütter haben sie ja kaum unter Kita- und Schulschließungen gelitten. Als Hauptgründe ihrer Unzufriedenheit nennen junge Frauen Einsamkeit aufgrund der langen Kontaktbeschränkungen. 55 Prozent geben an, ihre wöchentlichen Treffen auf mindestens monatlich reduziert zu haben. Im Unterschied zu ihren männlichen Pendants leiden diese beiden Frauengruppen besonders stark unter den fehlenden sozialen Kontakten. Bei den Studentinnen spielt auch die wirtschaftliche Situation eine Rolle. Sie arbeiteten als Minijobberin oder Werkstudentin eher in Branchen, die von den Corona-Maßnahmen betroffen waren – etwa als Kellnerinnen im Gastgewerbe.

Vollzeitarbeitende Mütter sind stark durch Homeschooling betroffen

Dass Mütter mit Kindern durch die Corona-Maßnahmen besonders belastet sind und sich das negativ auf ihre Glücksbilanz auswirkt, war zu erwarten. In Vollzeit erwerbstätige Mütter verlieren 1,0 Punkte in der Pandemie, ihre Männer »nur« 0,4. Mütter sitzen in der »Multitasking Falle«, denn bei ihnen schlagen sowohl das Homeschooling als auch die vermehrte Hausarbeit und hier auch das Homeoffice negativ auf die Lebenszufriedenheit zu Buche. Ihren familiären Zeitaufwand weiten zwar Mütter und Väter aus, Frauen hatten aber schon vor Corona mehr zu tun. Kontaktreduktionen betreffen sie hingegen kaum. Bei erwerbstätigen Müttern in Teilzeit sind die Glückseinbußen schwächer. Sie verlieren 0,5 Punkte, ihre Männer 0,3.

Abbildung 2: Welche Frauen besonders stark betroffen sind

Besonders betroffene Frauengruppen

Weniger betroffene Frauengruppen

Für Alleinerziehende waren die Coronamaßnahmen besonders einschränkend. Sie mussten ihren Alltag umorganisieren und verlieren 0,9 Punkte an Lebenszufriedenheit. Im Verlauf der Pandemie berichten sie von einer kontinuierlichen Belastung und Abnahme ihrer Lebenszufriedenheit – eine zwischenzeitliche Erholung des Lebensglücks in »Lockerungsphasen der Maßnahmen« wie bei den meisten Frauen, etwa Frauen mit Partner/in im Haushalt, fand nicht statt.

Wirtschaftliche Sorgen beeinträchtigen besonders weibliche Selbständige

Weibliche Selbständige büßen während der Pandemie deutlich mehr an Lebenszufriedenheit ein als männliche Selbständige. Sie verlieren 0,8 Punkte, selbstständige Männer dagegen nur 0,4 Punkte. Die Betreuung schulpflichtiger Kinder während der Pandemie stellte auch für sie ein zentrales Problem dar. Eine wichtige Rolle für die hohe Unzufriedenheit der weiblichen Selbständigen spielen allerdings wirtschaftliche Sorgen: Die Coronamaßnahmen trafen besonders »weibliche Branchen« (wie körpernahe Dienstleistungen, Floristen, Kitabetreiber, Innenausstatter, Einzelhandel, Reinigungsgewerbe). Männlich dominierte Branchen wie das produzierende Gewerbe waren dagegen kaum von Einschränkungen und finanziellen Einbußen betroffen. Darüber hinaus waren weibliche Selbstständige stärker von familiären Mehrbelastungen betroffen.

Ein Sonderfall sind die Rentnerinnen (65 Jahre und älter). Sie waren schon vor Corona etwas unzufriedener (etwa 0,1 Punkte) mit ihrem Leben als gleichaltrige Rentner. In der Coronakrise hat sich dieser Abstand vergrößert. Rentnerinnen (-0,3 Punkte) verloren stärker an Lebenszufriedenheit als ihr männliches Gegenüber (-0,2 Punkte). Unter den älteren Frauen ist der Anteil der Alleinlebenden höher als bei den Männern – das Alleinsein verstärkt Gefühle von Einsamkeit, welche die psychische Gesundheit beeinträchtigen. Frauen über 65 Jahren schränkten darüber hinaus ihre Kontakte stärker ein als die Männer im gleichen Alter.

Von überproportionalen Glücksverlusten sind alle Frauengruppen betroffen, wenn auch unterschiedlich stark. Drei Hauptursachen lassen sich festmachen: 1. Frauen arbeiten häufiger in mehr von den Corona-Maßnahmen betroffenen Berufen. 2. Frauen sind durch dauerhafte Mehrfachbelastungen wie »Home-Office« (Büro zu Hause), »Homeschooling« (Beschulung zu Hause) und »Homework« (Hausarbeit) stärker belastet. 3. Frauen nehmen die Gesundheitsgefahr des Corona-Virus ernster und reduzieren deutlicher ihre Kontakte. In der Folge belasten sie Einsamkeitsgefühle intensiver.

Ausführlich werden die Ergebnisse in der SKL-Glücksatlas Studie »Happiness Gap der Frauen in der Coronakrise« erläutert. Dafür wurden seit Januar 2020 insgesamt 15.200 Deutsche in 14 Wellen repräsentativ befragt, zuletzt 2.075 Personen im Dezember 2021 und Januar 2022 vom Institut für Demoskopie Allensbach.

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