Die Deutschen sitzen gern am Steuer. Glücklich macht dabei aber nicht der teuerste Wagen, sondern einer, der den eigenen Grundmotiven entspricht. Sicherheitstypen schätzen das Autofahren besonders. Erregungstypen sind am wenigsten zufrieden, denn der Alltagsverkehr bietet ihnen zu wenig Nervenkitzel. Leistungstypen stellen hinterm Lenkrad ihr Können unter Beweis. Spätestens im Stau offenbart sich der Charakter: Macht- und Geltungstypen fühlen sich dort schnell fremdbestimmt.
Im Schnitt verbringen die Deutschen rund eine Dreiviertelstunde am Tag im Auto: auf dem Weg zur Arbeit, bei Ausflügen oder auf der Fahrt in den Urlaub. Für manche ist der Wagen ein zweites Zuhause. Ein Auto zu haben bedeutet auch Freiheit, Autonomie und Unabhängigkeit. Die Kehrseite ist allerdings kaum zu übersehen. Autos sind rollende Kostenfallen. Sie brauchen viel Platz, machen Lärm und belasten die Umwelt. Wer fährt, begibt sich in die „Kampfzone Straße“ und bringt sich und andere in Gefahr. Das Auto gilt als Klimasünder, und bei bald 50 Millionen Pkw ist von der „freien Fahrt für freie Bürger“ nicht mehr viel übrig.
Gerade diese Zwiespältigkeit macht das Auto für die Glücksforschung so spannend. Wer ist glücklich hinterm Steuer, und wer fährt nur mangels Alternativen? Wen stresst die Straße so sehr, dass er froh ist, zu Hause den Motor abzustellen? Wer genießt beim Fahren das Gefühl von Kontrolle und Freiheit? Wie reagieren Menschen im Stau? Wer sind die typischen Raser und Drängler, und was treibt sie an? Antworten darauf und auf weitere Fragen liefert eine Sonderumfrage des SKL Glücksatlas. Ipsos hat dafür im Juni 2026 online 3.701 Menschen repräsentativ befragt. Die Umfrage ist Teil eines laufenden Panels von 2025 bis 2027.
Regelmäßiges Fahrfreude wächst mit den Kilometern, bis 30.000 im Jahr
Die Deutschen fahren insgesamt gern Auto. Auf einer Skala von 0 („überhaupt nicht zufrieden“) bis 10 („völlig zufrieden“) kommt das Autofahren auf durchschnittlich 7,78 Punkte. Männer (7,81) sind etwas zufriedener als Frauen (7,75). Und es gilt: Je älter, desto glücklicher am Steuer. Die 18- bis 24-Jährigen vergeben nur 7,52 Punkte, die 65- bis 75-Jährigen dagegen 8,29. Gewohnheit und Gelassenheit scheinen eine wichtige Rolle zu spielen. Dazu passt, dass das Fahren auf ruhigen Landstraßen mehr Freude macht als im Stadtverkehr. In Orten mit weniger als 20.000 Einwohnern liegt die Zufriedenheit bei 8,00 Punkten, in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern bei nur 7,62.
Knapp zwei Drittel der Befragten (65,4 Prozent) fahren mindestens einmal pro Woche Auto. 14,4 Prozent fahren seltener, 20,2 Prozent gar nicht. Wer regelmäßig fährt, fühlt sich im Auto zwar wohler, mit dem Leben insgesamt sind aber die Gelegenheitsfahrer zufriedener (7,18 gegenüber 7,03), und zwar unabhängig von Alter, Einkommen, Familienstand und Geschlecht (Abbildung 1). Ein Grund könnte sein, dass Vielfahrer häufiger weit pendeln oder beruflich unterwegs sind, etwa als Lkw-Fahrer oder Vertreter. Die Zeit dafür fehlt ihnen für Familie und Erholung. Im Auto spüren sie diesen Preis kaum, in ihrer Lebensbilanz dagegen schon.
Am unzufriedensten sind jedoch Menschen, die selbst nicht Auto fahren (6,69). Das zeigen auch andere Studien, und sie bieten zwei Erklärungen an. Erstens gelten die Alternativen als schlechter: Mit Rad, Bus und Bahn dauert der Weg meist länger und ist unbequemer, vor allem im Winter. Oft kommt man auch nicht zur gewünschten Zeit ans Ziel. Zweitens kann das Autofahren selbst glücklich machen, weil es ein Gefühl von Kontrolle gibt. Für beruflich und familiär stark beanspruchte Menschen ist die Fahrt oft die einzige Zeit für sich.
Abbildung 1: Wer regelmäßig mit dem Auto fährt, ist im Auto glücklicher, mit dem allgemeinen Leben aber nicht
Vielfahrer genießen die Fahrt, Gelegenheitsfahrer das Leben. Am unzufriedensten sind die, die gar nicht fahren.
Anmerkung:
Ergebnisse mehrerer OLS-Regressionen unter Kontrolle von Geschlecht, Alter, Äquivalenzeinkommen (logarithmiert), Familienstatus und Region. n = 3.701.
Quellen:
Glücksatlas-Datenbank, 2026, eigene Berechnungen.
Um zufriedener zu fahren, muss man dabei keineswegs Zehntausende Kilometer im Jahr abspulen. Schon wer 5.000 bis 15.000 Kilometer fährt, ist am Steuer deutlich zufriedener (7,85 Punkte) als die Wenigfahrer mit weniger als 5.000 Kilometern (7,23). Am höchsten ist die Fahrzufriedenheit bei 15.000 bis 30.000 Kilometern (8,01). Das ist folgerichtig, denn wer sich im Auto wohlfühlt, fährt mehr, und umgekehrt. Ab 30.000 Kilometern kippt der Zusammenhang allerdings. Dann wiegen Stress, Anstrengung und die Zeit fern von Familie und Freunden schwerer als die Vorzüge des Autos.
Weiß-blau und elektrisch: Wer am Steuer am glücklichsten ist
Für die Fahrzufriedenheit zählt nicht, wie viel wir fahren, sondern auch mit welchem Auto. Wir haben deshalb nach Marke und Modell gefragt. Von 56 Marken werden sieben von jeweils mehr als 150 Befragten gefahren. Nur für diese lassen sich belastbare Aussagen treffen. Vorn liegen die beiden Bayern: BMW- und Audi-Fahrer sind zufriedener als die Fahrer von Opel, VW, Ford, Mercedes-Benz oder Škoda (Abbildung 2). Der Status allein erklärt das kaum, denn die ähnlich prestigeträchtige Marke Mercedes schneidet klar schlechter ab. Studien zeigen außerdem, dass ein hoher Kaufpreis und Luxus wenig zum Wohlbefinden beitragen, solange keine emotionale Bindung ans Auto besteht. Vielleicht ziehen BMW und Audi eine von Natur aus zufriedenere Kundschaft an, etwa wegen ihrer Persönlichkeit, oder ihre Käufer wählen ihr Auto bewusster aus. Oder es ist am Ende doch der Fahrspaß, was die Ingenieure in München und Ingolstadt besonders freuen dürfte. Zudem leben viele BMW- und Audi-Fahrer in Bayern, wo die Menschen ohnehin besonders zufrieden sind.
Auch der Antrieb spielt eine Rolle. Wer elektrisch fährt, ist mit seinen Fahrten um 0,38 Punkte zufriedener als Verbrennerfahrer. Ein Teil davon liegt an den Fahrern selbst: E-Autofahrer sind im Schnitt jünger und wohlhabender und wohnen häufiger in den eigenen vier Wänden. Ihre höhere Lebenszufriedenheit färbt auch auf das Autofahren ab. Doch selbst wenn man diese Faktoren herausrechnet, bleibt ein Vorsprung von 0,27 Punkten. Das E-Auto bietet schlicht ein angenehmeres Fahrerlebnis, und dazu kommt oft das gute Gefühl, etwas für Umwelt und Gesellschaft zu tun (der sogenannte „warm glow“). Die Sorge um die Reichweite trübt die Freude zwar etwas, doch die Vorteile überwiegen. Das haben auch andere Studien gezeigt.
Abbildung 2: Die glücklichsten Autofahrer sitzen im BMW, die unglücklichsten im Škoda
BMW-Fahrer sind mit ihren Autofahrten am zufriedensten, Škoda-Fahrer am wenigsten. Auch mit dem Leben insgesamt sind BMW- und Audi-Fahrer am zufriedensten. Das dürfte auch an Bayern liegen, wo viele von ihnen leben und die Lebenszufriedenheit generell hoch ist.
Anmerkung:
Ergebnisse mehrerer OLS-Regressionen unter Kontrolle von Geschlecht, Alter, Äquivalenzeinkommen (logarithmiert), Familienstatus und Region. n = 3.701.
Quellen:
Glücksatlas-Datenbank, 2026, eigene Berechnungen.
Nicht der Kaufpreis, nicht die Kilometerzahl: Das passende Auto macht zufriedener
Wie zufrieden wir mit unserem Auto sind, hängt vor allem davon ab, ob es zu uns passt. Kaufpreis und Fahrleistung spielen eine geringere Rolle. Denn ein Auto dient nicht nur der Fortbewegung, sondern kann auch Status, Umweltbewusstsein, Sportlichkeit oder ganz praktisch die Bedürfnisse einer Familie ausdrücken. Passt es nicht zur eigenen Identität und zum eigenen Alltag, helfen auch ein hoher Preis, eine üppige Ausstattung oder ein gutes Image wenig. Das zeigt sich auch in den Daten. Die Zufriedenheit mit den Autofahrten nimmt mit steigendem Kaufpreis kaum zu (Abbildung 3, unten). Wer weniger als 10.000 Euro für sein Auto bezahlt hat, kommt auf 7,85 Punkte. Bei mehr als 50.000 Euro sind es mit 7,70 Punkten sogar etwas weniger. Am zufriedensten sind Fahrer von Autos zwischen 25.000 und 50.000 Euro.
Deutlich stärker ist dagegen der Zusammenhang zwischen der persönlichen Passung des Autos und der Fahrzufriedenheit (Abbildung 3, oben). Wer der Aussage „Mein Auto passt zu mir“ überhaupt nicht zustimmt, erreicht eine Fahrzufriedenheit von 7,65 Punkten. Bei Personen, die dieser Aussage voll und ganz zustimmen, liegt sie bei 9,47 Punkten – also 1,82 Punkte mehr. Glücklich macht also nicht das teuerste Auto, sondern das passende.
Abbildung 3: Passung wichtiger als Kaufpreis
Kaufpreis und Fahrzufriedenheit hängen kaum zusammen, ein sehr teures Auto (> 50.000 Euro) geht sogar mit einer geringeren Zufriedenheit einher. Wichtiger ist, ob das eigene Auto zu einem passt.
Anmerkung:
Ergebnisse mehrerer OLS-Regressionen unter Kontrolle von Geschlecht, Alter, Äquivalenzeinkommen (logarithmiert), Familienstatus und Region. n = 3.701.
Quellen:
Glücksatlas-Datenbank, 2026, eigene Berechnungen.
Was heißt es eigentlich, dass ein Auto „passt“? Es kann den Alltag erleichtern, also praktisch sein. Es kann aber auch zeigen, wer man ist oder sein möchte. Für beide Lesarten gibt es in der Konsum- und Verkehrsforschung bereits einige Belege. Der SKL Glücksatlas geht in dieser Sonderstudie einen Schritt weiter und fragt, welche grundlegenden sozialen Motive ein Auto bedient. Dafür nutzt er das Zürcher Modell der sozialen Motivation (ZMSM) des Psychologen Norbert Bischof.
Fahrzufriedenheit hängt von Motivlage ab: Von Autonomie-, Erregungs- und Sicherheitstypen
Das Modell unterscheidet drei Grundbedürfnisse, die in jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt sind: das Bedürfnis nach Sicherheit und Vertrautheit, das nach Erregung und Neuem und das nach Autonomie. Das Autonomiebedürfnis zerfällt noch einmal in drei Spielarten, nämlich Macht, Geltung und Leistung. Kaum ein Alltagsgegenstand spricht diese Bedürfnisse so unmittelbar an wie das Auto. Es ist geschützter Rückzugsraum, Quelle von Fahrspaß und Nervenkitzel und zugleich Ausdruck von Freiheit, Kontrolle und Status.
Bischof versteht die drei Motive als Regelkreise, ähnlich einem Thermostat. Jeder Regelkreis vergleicht fortlaufend einen Sollwert, also wie viel Sicherheit, Erregung oder Autonomie man sich wünscht, mit einem Istwert, also wie viel man davon tatsächlich erlebt. Wie hoch die Sollwerte liegen und welcher Motivtyp man ist, hängt von der Lebenssituation, von Prägungen aus der Kindheit und von der persönlichen Veranlagung ab. Ein Auto „passt“ demnach dann, wenn es hilft, Soll und Ist in Einklang zu bringen. Die Sollwerte und Motivtypen haben wir mit einer anerkannten Fragenbatterie erhoben.
Der Sicherheitstyp strebt nach Vertrautem, nach Routine und Planbarkeit. Genau das verspricht das Auto, denn es ist kontrollierbarer als Bus und Bahn. Sicherheitstypen fahren deshalb besonders gern Auto und haben eine höhere Fahrzufriedenheit als der Durchschnitt der Erregungs- und Autonomietypen (Abbildung 4). Beim Kauf achten sie vor allem auf das Preis-Leistungs-Verhältnis und greifen eher zu Einstiegs- und Mittelklassemodellen von Ford, Opel oder VW. Elektroautos lehnen sie von allen Motivtypen am deutlichsten ab (wohl auch wegen der mangelhaften Ladeinfrastruktur). Sicherheitstypen sind eher weiblich, älter und haben ein mittleres Einkommen. Mütter in dieser Gruppe fahren überdurchschnittlich oft SUV.
Abbildung 4: Am unglücklichsten im Auto sind Erregungs- und Machttypen
Der Erregungstyp hat die geringste Fahrzufriedenheit, der Leistungstyp die höchste.
Anmerkung:
Ergebnisse mehrerer OLS-Regressionen unter Kontrolle von Geschlecht, Alter, Äquivalenzeinkommen (logarithmiert), Familienstatus und Region. n = 3.701.
Quellen:
Glücksatlas-Datenbank, 2026, eigene Berechnungen.
Der Erregungstyp (ERR) ist unternehmungslustig, sucht neue Reize und verträgt Stress gut. Sein Sicherheitsbedürfnis ist dagegen gering. Gerade deshalb tut er sich mit dem Autofahren schwer. Der Alltag auf der Straße besteht aus Pendeln, Stau und Tempolimits und bietet ihm zu wenig Reiz. Was den Sicherheitstyp beruhigt, langweilt den Erregungstyp. Wer diese Lücke durch riskantes Fahren füllt, handelt sich schnell Ärger ein: Studien zum „Sensation Seeking“ zeigen, dass reizsuchende Fahrer häufiger gegen Regeln verstoßen und öfter verunglücken. Mit 7,40 Punkten ist der Erregungstyp entsprechend am wenigsten zufrieden mit seinen Fahrten (Abbildung 4). Erregungstypen sind eher jung, und Junge sind am Steuer ohnehin unzufriedener. Beim Autokauf träumt der Erregungstyp von BMW oder Mercedes-Benz. Wie bei anderen Motivtypen auch reicht das Budget dafür aber oft nicht, und am Ende wird es ein Einstiegsmodell. Diese Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit dürfte zusätzlich an seiner Fahrzufriedenheit nagen.
Der Autonomietyp will selbst bestimmen und unabhängig sein. Je nachdem, woraus er seine Autonomie schöpft, unterscheiden wir drei Spielarten. Der Geltungstyp will gesehen und anerkannt werden und steht gern im Mittelpunkt. Dem Machttyp geht es um Status und um seinen Rang in der Hierarchie. Auf der Straße wollen beide das Geschehen kontrollieren. Sie maßregeln andere Fahrer gern und zahlen Fehlverhalten auch mal mit gleicher Münze heim. Den Vorrang lassen sie sich ungern nehmen. Beim Autokauf achten sie auch breite Reifen und Dominanz. Der Leistungstyp setzt dagegen auf Können: Seine Fahrweise beweist ihm, dass er sein Auto beherrscht und niemanden braucht. Eines haben alle drei gemeinsam: Für sie ist das Auto ein Status- und Prestigesymbol.
Am zufriedensten am Steuer ist der Leistungstyp mit 8,12 Punkten (Abbildung 4). Auf der Straße ist er in seinem Element. Er nimmt Herausforderungen gern an und stellt sein Können unter Beweis. Sein Auto pflegt er, und mit Technik und Ausstattung kennt er sich aus. Leistungstypen sind meist etwas älter, Männer und Frauen sind gleich stark vertreten. Oft haben sie Familie und fahren deshalb überdurchschnittlich häufig Mittelklasse- oder günstigere Modelle. Ihnen ist wichtiger als anderen, dass das Auto im Familienalltag funktioniert, und Ford und VW stehen bei ihnen hoch im Kurs. Mit steigendem Einkommen greifen sie eher zu BMW, Audi oder Mercedes-Benz. Das gilt besonders für Führungskräfte, unter denen viele Leistungstypen sind.
Geltungs- und Machttypen sind mit 7,81 und 7,78 Punkten deutlich weniger zufrieden als der Leistungstyp. Sie suchen ihre Autonomie über Status. Dazu passen ein forscher, durchsetzungsstarker Fahrstil und ein Auto, das auffällt, sei es durch den Preis, die Farbe oder das Modell. Das hat seinen Preis: Wer sich ständig behaupten will, steht unter Stress. Und wer sich auf der Straße nicht durchsetzen kann, empfindet das als Kränkung. Beide Typen sind eher jung und männlich und fahren gern Premiummarken, allen voran Mercedes-Benz. Beim Kauf zählen für sie Motorleistung, Markenimage und Außenwirkung. Wenn das Einkommen es zulässt, darf es auch das teurere Modell sein. Machttypen fahren zudem überraschend oft elektrisch, nach den Erregungstypen am zweithäufigsten. Das könnte auch erklären, warum Mercedes-Fahrer vergleichsweise unzufrieden sind.
Tabelle 1 fasst die Befunde zu den Motivtypen zusammen:
Im Stau offenbart sich der Motivtyp am stärksten
Nirgends unterscheiden sich die Motivtypen so deutlich wie im Stau (Abbildung 5). Wer sich dort fremdbestimmt und eingeengt fühlt, ist meist ein Macht- oder Geltungstyp. Bei ihnen ist dieses Gefühl dreimal so wahrscheinlich wie bei den übrigen Typen. Für Menschen, die nach Kontrolle und Anerkennung streben, ist der Stillstand eine Zumutung.
Auch die Nervosität hängt vom Motivtyp ab. Machttypen werden im Stau um 55 Prozent wahrscheinlicher nervös als andere. Beim Leistungstyp ist es umgekehrt: Bei ihm ist Nervosität um 65 Prozent unwahrscheinlicher. Er nutzt die Wartezeit lieber produktiv und telefoniert. Geduldig ausharren kann vor allem der Sicherheitstyp. Wie sehr uns ein Stau nervt, entscheidet sich also nicht auf der Autobahn, sondern im übrigen Leben. Wer dort zu wenig Selbstbestimmung erlebt, fühlt sich im Stau um mehr als die Hälfte häufiger fremdbestimmt.
Abbildung 5: Stauerleben und Motivtypen
Die meisten Autofahrer warten im Stau nach eigener Aussage geduldig ab, und zwar unabhängig vom Motivtyp. Doch jeder vierte Macht- oder Geltungstyp (25 Prozent) fühlt sich dabei eingeengt und fremdbestimmt, unter den Leistungstypen nur jeder elfte (9 Prozent). Nervös wird jeder fünfte Machttyp (20 Prozent), aber nur jeder 25. Leistungstyp (4 Prozent).
Anmerkung:
Ergebnisse mehrerer OLS-Regressionen unter Kontrolle von Geschlecht, Alter, Äquivalenzeinkommen (logarithmiert), Familienstatus und Region. n = 3.701.
Quellen:
Glücksatlas-Datenbank, 2026, eigene Berechnungen.
Am heftigsten reagieren autonomieorientierte Menschen auf den Stau. Sie erleben ihn als Kontrollverlust, und für Macht- und Geltungstypen kratzt er sichtbar am Status. Besonders deutlich wird das bei Menschen, die im Leben insgesamt weniger Autonomie erfahren, als sie bräuchten, bei denen der Istwert also unter dem Sollwert liegt. Sie suchen einen Ausgleich, und der Stau verwehrt ihn ihnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich dort eingeengt und fremdbestimmt fühlen, steigt um 53 Prozent, die für Nervosität und Unruhe um 10 Prozent. Geduldig abzuwarten oder die Zeit sinnvoll zu nutzen, gelingt ihnen seltener. Ein Mangel an Sicherheit oder Erregung wirkt sich dagegen deutlich schwächer aus. Nur wer zu wenig Erregung erlebt, wartet im Stau seltener geduldig ab.
Datenbasis für SKL Glücksatlas Sonderstudie 2026-04
Für die Sonderstudie wurden 3.701 Menschen (zwischen 19 und 71 Jahren) vom Befragungsunternehmen Ipsos im Juni 2026 befragt. Die Online-Stichprobe wurde aus dem infas Quo Online-Access-Panel gezogen. Eine repräsentative Verteilung nach Geschlecht, Alter und Region wurde angestrebt.
Die Rohdaten aus den Befragungen wurden der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zugeleitet und dort von Prof. Dr. Raffelhüschen und seinem Team mithilfe eines statistischen Datenanalyseprogramms ausgewertet.
Die Sonderstudie im Rahmen des SKL Glücksatlas
Seit 2022 sind die Staatlichen Klassenlotterien SKL Partner des Glücksatlas. Die wissenschaftliche Leitung hat Prof. Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg. „Mit unserem Engagement für den Glücksatlas wollen wir die Forschung über Zufriedenheit und Wohlbefinden in Deutschland erweitern und die Ergebnisse der Glücksforschung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen“, sagt Dr. Bettina Rothärmel – Vorstandsvorsitzende der GKL Gemeinsame Klassenlotterie der Länder AöR, Veranstalterin der SKL.
Mit Beginn der Partnerschaft initiiert die SKL zudem eine wissenschaftliche Glücksdatenbank für Journalistinnen, Journalisten und Interessierte: Unter skl-gluecksatlas.de werden kontinuierlich aktuelle Daten, Analysen und Sonderstudien über die Entwicklung der Lebenszufriedenheit in Deutschland bereitgestellt und damit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Die Staatlichen Klassenlotterien SKL stehen für die tägliche Chance auf Glück in Form von Geld- und Sachgewinnen. Beim SKL-Millionenspiel werden z.B. im Verlauf der Lotterie über 3,2 Millionen Gewinne im Wert von bis zu 20 Millionen Euro ausgespielt – staatlich garantiert.
