Für die Lebenszufriedenheit ist Vermögen offenbar wichtiger als ein hohes Einkommen. Wer über einen finanziellen Puffer von mehr als 50.000 Euro verfügt, ist im Durchschnitt deutlich zufriedener – selbst bei geringerem laufendem Einkommen.
Vielleicht liegt das Glück gar nicht in der nächsten Gehaltserhöhung, sondern im guten alten Sparbuch? Dass das Lebensglück auch vom Einkommen abhängt, wenn auch geringer als wir oft glauben, ist eine vielfach bestätigte Erkenntnis der Glücksforschung. Nun zeigen aber die neuesten Daten aus dem SKL Glücksatlas: Es kommt nicht nur darauf an, wie viel Geld monatlich auf dem Konto eingeht. Entscheidend ist offenbar auch, ob ein finanzielles Polster da ist – ein Vermögen, das im Zweifel trägt, wenn das Einkommen einmal ausfällt, die Karriere eine Pause macht oder das Leben überraschende Rechnungen schickt. Damit erhält das Bonmot des amerikanischen Komikers Danny Kaye „Geld allein macht nicht glücklich. Es gehören auch noch Aktien, Gold und Grundstücke dazu“ eine Bestätigung aus der Wissenschaft.
Für unsere Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut Ipsos 3.290 Personen im Alter von 18 bis 71 Jahren zu ihrer Lebenszufriedenheit, ihrer finanziellen Situation, ihrem Einkommen und ihrem Vermögen. Dabei wurde Vermögen als Kapital- und/oder Realvermögen von mehr als 50.000 Euro im gesamten Haushalt erfasst. 41,1 Prozent der Befragten verfügten demnach über ein entsprechendes Vermögen, 58,9 Prozent verneinten dies.
Tabelle 1: Gruppeneinteilung Einkommen und Vermögen
| Anzahl Befragte |
Beispiele | ||
|---|---|---|---|
| A | Hohes Einkommen + Vermögen |
724 |
|
| B | Hohes Einkommen + kein Vermögen |
783 |
|
| C | Geringes Einkommen + Vermögen |
583 |
|
| D | Geringes Einkommen + kein Vermögen |
1050 |
|
Quellen: Ipsos, 2026; eigene Berechnungen.
Personen mit Vermögen bewerteten ihr Leben im Durchschnitt mit 7,23 Punkten auf einer Skala von 0 bis 10. Bei Personen ohne entsprechendes Vermögen lag der Wert bei 6,34 Punkten.
Besonders deutlich wird die Bedeutung des Vermögens beim Vergleich von Personen mit ähnlichem Einkommen. Wer über ein hohes Einkommen und Vermögen verfügt, erreicht im Durchschnitt eine Lebenszufriedenheit von 7,23 Punkten. Bei einem hohen Einkommen, aber ohne Vermögen, liegt der Wert dagegen bei 6,73 Punkten. Vermögen geht in diesem Vergleich also mit einem Unterschied von 0,50 Punkten einher.
Umgekehrt fällt der Unterschied geringer aus: Personen mit Vermögen, aber einem niedrigen Einkommen, erreichen eine Lebenszufriedenheit von 6,96 Punkten. Gegenüber Personen mit hohem Einkommen und Vermögen beträgt der Abstand lediglich 0,27 Punkte. Der Zusammenhang mit der Lebenszufriedenheit ist für Vermögen damit annähernd doppelt so stark wie für Einkommen.
Abbildung 1: Zusammenhang von Lebenszufriedenheit und Vermögen fast doppelt so stark wie beim Einkommen
Wer Vermögen besitzt, ist mit seinem Leben signifikant zufriedener als Personen ohne Vermögen. Das zeigt der Vergleich von Gruppe A (hohes Einkommen, mit Vermögen) und Gruppe B (hohes Einkommen, ohne Vermögen): Bei gleichem Einkommensniveau (konstant gehalten) geht Vermögen mit einer um 0,50 Punkte höheren Lebenszufriedenheit einher. Der Unterschied zwischen hohem und niedrigem Einkommen beträgt bei vorhandenem Vermögen hingegen nur 0,27 Punkte.
Anmerkungen: Ergebnis einer OLS-Regression mit Interaktionseffekten (Einkommen x Vermögen) und unter Konstanthaltung von Alter, Geschlecht, Region (Ost/West), Bildung, Gesundheit und Familienstand.
Quellen: Ipsos, 2026; eigene Berechnungen.
Finanzielle Zufriedenheit besonders betroffen
Noch stärker zeigt sich der Zusammenhang bei der Zufriedenheit mit der eigenen finanziellen Situation. Personen mit hohem Einkommen und Vermögen erreichen hier 7,57 Punkte. Bei hohem Einkommen, aber fehlendem Vermögen sinkt der Wert auf 6,49 Punkte – ein Unterschied von 1,08 Punkten.
Bei vorhandenem Vermögen macht sich ein niedriges Einkommen hingegen weniger stark bemerkbar: Die finanzielle Zufriedenheit liegt dann bei 6,87 Punkten. Der Unterschied zum hohen Einkommen beträgt 0,70 Punkte. Vermögen steht damit auch mit der finanziellen Zufriedenheit stärker in Verbindung als Einkommen, wenn auch weniger deutlich als bei der allgemeinen Lebenszufriedenheit.
Ein finanzieller Puffer schafft Handlungsspielräume
Warum Vermögen stärker mit der Lebenszufriedenheit zusammenhängt als Einkommen, lässt sich anhand der Daten nicht abschließend beantworten. Ein möglicher Grund ist, dass Vermögen als finanzieller Puffer wirkt: Es kann gegen Arbeitslosigkeit, Einkommensausfälle und unerwartete Ausgaben absichern.
Darüber hinaus kann ein finanzielles Polster die individuellen Handlungsspielräume erweitern. Der eigene Lebensstandard hängt dann weniger stark vom laufenden Erwerbseinkommen oder von der finanziellen Unterstützung anderer Personen ab. Vermögen kann dadurch das Gefühl wirtschaftlicher Unabhängigkeit und persönlicher Autonomie stärken.
Die Ergebnisse zeigen klar: Für die Lebenszufriedenheit zählt nicht nur, wie viel Geld regelmäßig zur Verfügung steht. Ebenso wichtig ist offenbar, ob Menschen über einen finanziellen Rückhalt verfügen, der Sicherheit und Unabhängigkeit ermöglicht.
Die Auswertung basiert auf einer OLS-Regression mit Interaktionseffekten zwischen Einkommen und Vermögen. Dabei wurden unter anderem Alter, Geschlecht, Region, Bildung, Gesundheit und Familienstand statistisch konstant gehalten. Die Angaben zum Vermögen beziehen sich auf das gesamte Haushaltseinkommen beziehungsweise Haushaltsvermögen.
Die Studie erscheint im SKL Glücksatlas:
https://www.penguin.de/buecher/bernd-raffelhueschen-skl-gluecksatlas-2026/paperback/9783328605768