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In Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg

Bundesland / Region

Schleswig-Holstein: Deutschlands Glücksregion Nr. 1

Schleswig-Holstein scheint das Glück gepachtet zu haben. Regelmäßig belegt es einen Spitzenplatz unter den glücklichsten Bundesländern. Doch auch hier kostet die Coronapandemie immens an Lebenszufriedenheit. Dennoch bleiben die Norddeutschen mit Ihrer Familie, der Freizeit, der Arbeit und der finanziellen Situation zufriedener als der Rest Deutschlands.

Die Schleswig-Holsteiner gehören schon lange zu den glücklichsten Deutschen (Held et al. 2016). Über die letzten zehn Jahre sind sie im Schnitt um 0,38 Punkte mit ihren Leben zufriedener als der Bundesdurchschnitt. Zur Einordnung: 0,38 Punkte entsprechen dem Glücks-Unterschied, wenn etwa in einer Region die Arbeitslosenrate von 2% auf 9,6 % ansteigt.

Corona trifft Schleswig-Holstein hart

Die Coronapandemie hat die Norddeutschen mit voller Wucht getroffen: Innerhalb von zwei Jahren – von 2019 (Wert vor der Pandemie) bis 2021 – fiel das Lebensglück von 7,43 Punkten um 0,75 auf 6,68 Punkte.

Abbildung 1: Schleswig-Holstein bleibt die Glücksregion Nummer 1 – Corona trifft hart

Über viele Jahre Deutschlands Glücksregion Nr 1 – dann kommt 2020 Corona. Doch der Norden hat auch im Absturz die Nase vorn.

Allgemeine Lebenszufriedenheit im Durchschnitt (0 = »ganz und gar unzufrieden« bis 10 = »völlig zufrieden«).

Quelle: Glücksatlas-Datenbank 2011 bis 2021.

Die Gründe für den Absturz sind vielfältig: Die Lockdowns haben besonders das Leben von Jugendlichen, Familien mit kleinen Kindern und Selbständigen beeinträchtigt. Aber die Verluste an Lebenszufriedenheit betrafen alle Bevölkerungsgruppen und insgesamt nahm die Anzahl der Unzufriedenen stark zu. Abbildung 2 zeigt die Antworten auf die Standardfrage, wie zufrieden man mit seinem Leben ist (Skala von 0 »ganz und gar nicht zufrieden mit meinem Leben« bis 10 »völlig zufrieden mit meinem Leben«). Die Anzahl der Hochzufriedenen (die 8, 9 oder 10 auf der Skala angaben) ging deutlich zurück, von 55 auf 41 Prozent, während sich die Unzufriedenen (die 0 bis 5 auf der Skala angaben) verdoppelten – von 13 auf 26 Prozent.

Abbildung 2: Zahl der Unzufriedenen verdoppelt sich in der Pandemie

Corona trifft alle: Die Anzahl der Unzufriedenen (Werte von 5 und weniger) verdoppelt sich.

Allgemeine Lebenszufriedenheit im Durchschnitt (0 = »ganz und gar unzufrieden« bis 10 = »völlig zufrieden«).

Quelle: Glücksatlas-Datenbank 2011 bis 2021.

Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend: Schleswig-Holstein hat einen hohen Anteil an Selbständigen, besonders in Gastronomie und Tourismus (mit 10,2 Prozent an allen Beschäftigten deutschlandweit der höchste Anteil). Diese Branchen wurden durch die Lockdowns besonders in Mitleidenschaft gezogen: Betriebsschließungen, Ausgangssperren, Reiseverbote, Personalmangel, Lieferengpässe.

Der zweite Grund ist der hohe Familienanteil. In Schleswig-Holstein leben viele Familien mit 3 oder mehr Kindern in einem Haushalt. Auch wenn die Norddeutschen mit ihrem Familienleben besonders zufrieden sind, schlagen sich Schul- und Kitaschließungen sowie dauerhaftes »Homeschooling« und Homeoffice auf die Zufriedenheit nieder. Gerade in großen Familien waren insbesondere in den Phasen starker Einschränkungen (»Lockdowns«) die psychischen Belastungen hoch.

Wer hoch im Norden lebt, ist besonders mit seinem Familienleben zufrieden

Vor Corona waren die Menschen zwischen Flensburg und Lübeck mit Ihrem Familienleben besonders zufrieden. Auf der Skala zwischen 0 (»ganz und gar mit meinem Familienleben unzufrieden«) bis 10 (»völlig zufrieden«) schätzten sich die Schleswig-Holsteiner 2019 (also vor Corona) im Durchschnitt bei 8,19 Punkten ein – im Bundesdurchschnitt waren es 7,14 Punkte. Das ist außergewöhnlich hoch, eine ähnlich hohe Familienzufriedenheit hat nur das Saarland.

Abbildung 3: Schleswig-Holsteiner in allen Bereichen überdurchschnittlich zufrieden – Corona bringt aber Einschnitte mit sich

Corona kippt vor allem das Freizeitglück. Aber auch das Familienglück leidet.

Bereichszufriedenheit im Durchschnitt (0 = »ganz und gar unzufrieden« bis 10 = »völlig zufrieden«).

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 1984 bis 2019, Glücksatlas-Datenbank 2020/2021.

Zwei Besonderheiten machen den Unterschied: Erstens leben auffallend viele Familien in Schleswig-Holstein in einem ländlichen geprägten Milieu mit einer mittelgroßen Stadt (Flensburg, Lübeck, Kiel, Neumünster) in der Nähe. So können viele Familien die Vorteile von Land (Vereine, kleine Schulklassen, Sicherheit) und Stadt (Arbeitsplätze, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten) miteinander verbinden. Zweitens sind zwei Drittel der Schleswig-Holsteiner verheiratet und/oder leben mit einem Partner zusammen. Im Bundesschnitt sind es »nur« 61 Prozent. Familien sind im Schnitt zufriedener als Alleinerziehende oder Singles. Bemerkenswert ist, dass die Familienzufriedenheit so hoch ist, obwohl hier in Familien mit mehreren Kindern überproportional oft beide Elternteile berufstätig sind.

Der Blick auf die Regionen Schleswig-Holsteins

Wie steht es um die Lebenszufriedenheit in den fünf Raumordnungsregionen Schleswig-Holsteins? Dazu wurde der Betrachtungszeitraum auf fünf Jahre ausgedehnt, um statistisch auf der sicheren Seite zu sein. Die Menschen aus der Region »Nord« mit ihren Städten Flensburg und Husum sowie dem Großteil der Nordfriesischen Inseln berichten für den Zeitraum 2017 bis 2021 von der höchsten Lebenszufriedenheit in ganz Schleswig-Holstein (7,38 Punkte). Etwas schwächer schneiden die Regionen »Mitte« (7,21 Punkte) und »Südwest« (7,20 Punkte) ab. Aber: Die Unterschiede sind relativ gering.

Abbildung 4: Glückliche Regionen in Deutschlands Norden

Rund um Flensburg leben mit durch-schnittlich 7,38 Punkten die glücklichsten Schleswig-Holsteiner (für den Zeitraum 2017 bis 2021). Im Südwesten ist die Zufriedenheit (7,2 Punkte) geringer.


Allgemeine Lebenszufriedenheit im Durchschnitt (0 = »ganz und gar unzufrieden« bis 10 = »völlig zufrieden«). Die Jahre 2017 bis 2021 gehen jeweils gleich stark gewichtet ein. Die Zuschneidung der Regionen entsprechen der »Laufenden Raumbeobachtung« des BBSR.

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2017 bis 2019, Glücksatlas-Datenbank 2020/2021, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung.

Freizeitglück im Norden

Neben der Familie sind die Schleswig-Holsteiner auch mit ihrer Freizeit, ihrer finanziellen Situation und ihrer Arbeit zufriedener als das übrige Deutschland. Besonders die Freizeit sticht aber heraus. Das war schon vor Corona so und ist während der Pandemie, als die Freizeitzufriedenheit in ganz Deutschland extrem abstürzte (auf 4,97 Punkte), auch so geblieben: Das Land kommt mit 5,96 Punkten relativ gut davon. Das liegt einerseits an der Nähe zu Nord- und Ostsee und dem hohen Anteil an Naturlandschaften. Eine gewichtige Rolle spielen sicherlich auch die vergleichsweise geringeren Einschränkungen durch die Landesregierung in Kiel.

Das Haushaltseinkommen ist wichtig für die Lebenszufriedenheit, denn damit bestreiten wir unseren Lebensunterhalt und erfüllen uns Wünsche. Höheres Einkommen bedeutet also höhere Lebenszufriedenheit, könnte man meinen. Das stimmt so vereinfacht dargestellt aber nicht.

Wenig Arbeitslose, gute Einkommen

Die Schleswig-Holsteiner genießen einen überdurchschnittlich hohen Lebensstandard. 40 Prozent der Haushalte haben mehr als monatlich netto 3.000 Euro für Miete, Auto, Lebensmittel, Kleidung, etc. zur Verfügung. Im restlichen Deutschland sind »nur« 34,4 Prozent ebenso wohlhabend. Rechnet man die Einkommen auf die einzelnen Haushaltsmitglieder runter, so hat jeder Schleswig-Holsteiner 1.547 Euro im Monat zur Verfügung (Restdeutschland: 1.417 Euro). Kein Wunder also, dass die Norddeutschen mit ihrer finanziellen Situation auch in der Coronapandemie mit 7,35 Punkten zufrieden sind (übriges Deutschland: 6,90 Punkte). Auch die Arbeitslosigkeit ist nach wie vor niedrig: Gerade mal 5 Prozent sind im äußersten Norden arbeitssuchend gemeldet.

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