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In Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg

Glücksatlas 2022

NRW: Münsterland und Westfalen - die neuen Glücksregionen im Westen

Die Lebenszufriedenheit in Nordrhein-Westfalen liegt seit Mitte der 2010er-Jahre dauerhaft über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Das Münsterland und Westfalen belegen im Glücksranking der 32 Regionen sogar Spitzenplätze in Deutschland. Nordrhein-Köln schwächelt allerdings. Trotz der Aufholerfolge liegt das Lebensglück im Westen 2022 noch nicht auf dem Vor-Corona-Niveau.

Corona spielt kaum mehr eine Rolle, dafür aber Inflation und Energiekrise

Mit 6,98 Punkten kann sich Nordrhein-Westfalen deutlich aus dem Corona-Tief von 2021 erholen (Abbildung 1). Allerdings liegt die Lebenszufriedenheit (gemessen auf einer Skala von 0 = ganz und gar unzufrieden bis 10 = völlig zufrieden) noch 0,19 Punkte vom Wert aus 2019 entfernt. Mit dem Jahr 2022 haben neue Krisen die Corona-Krise abgelöst, was die Erholung dämpft. Die Nordrhein-Westfalen gehören zu den glücklichsten Deutschen. Zusammen mit Schleswig-Holstein, Bayern und Hamburg liegen die seit 2015 oberhalb des gesamtdeutschen Durchschnitts.

Abbildung 1: Die Lebenszufriedenheit in Nordrhein-Westfalen liegt über dem deutschen Durchschnitt

Seit 2015 ist Nordrhein-Westfalen zufriedener als Gesamtdeutschland. Auch 2022 liegt das Land mit 6,98 Punkten 0,12 Punkte über dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Anmerkung: Lebenszufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2017, Glücksatlas-Datenbank 2015 bis 2022.

In der Corona-Krise der Jahre 2020 und 2021 drückten besonders die Kontaktbeschränkungen sowie der durch Kita- und Schulschließungen ausgelöste Stress den Menschen aufs Gemüt. Mit durchschnittlich 6,73 Punkten lag die Lebenszufriedenheit in NRW so niedrig wie seit Mitte der 2000er-Jahre nicht mehr – damals noch bedingt durch besonders hohe Arbeitslosenquoten. In der Pandemie 2020/21 büßten besonders erwerbstätige Frauen mit Kindern im Haushalt an Lebensglück ein. Zeitweise erlebten jene Frauen eine Dreifachbelastung aus »Homeoffice«, »Homeschooling« und »Homework«. Nordrhein-Westfalen ist durch diesen Effekt überproportional betroffen: Durchschnittlich leben in NRW 3,46 Personen in einer Familie, in den ostdeutschen Bundesländern sind es 3,30 Personen. Allerdings weist Nordrhein-Westfalen zwar überproportional viele große Familien auf, hat aber die zweitniedrigste Frauenerwerbsquote nach dem Saarland.

Nach dem Aufheben der meisten Corona-Maßnahmen kommen mit dem Ukraine-Krieg, der Energiekrise und der Inflation ökonomische Probleme auf das Land zu. Im Oktober 2022 fragte der WDR in seinem NRW-Trend die Nordrhein-Westfalen nach den wichtigsten Problemen. Dabei nannten 37 Prozent die Energiekrise, 12 Prozent die Zuwanderung und 12 Prozent die Inflation. Corona tauchte erst weit hinten auf.

Einkommenszufriedenheit fällt, bleibt aber höher als in Gesamtdeutschland; Arbeitszufriedenheit erholt sich wieder

Abbildung 2: Die Zufriedenheit der Nordrhein-Westfalen mit ihrem Haushaltseinkommen

Mit 6,73 Punkten sind die Westdeutschen mit ihrem Einkommen deutlich zufriedener als in anderen Teilen Deutschlands. Allerdings ist das Einkommen in NRW sehr ungleich verteilt und die Armutsgefährdungsquote hoch.

Anmerkungen: Einkommenszufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«). Haushaltseinkommen: Nettoeinkommen aller Haus-haltsmitglieder nach Steuern und Sozialabgaben, aber plus Transfers wie Wohn- oder Kindergeld.

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2020, Glücksatlas-Datenbank 2021 bis 2022.

Die Einkommenszufriedenheit der Nordrhein-Westfalen liegt mit 6,73 Punkten 0,24 Punkte oberhalb des gesamtdeutschen Durchschnitts (Abbildung 2). Seit 2020 nimmt die Zufriedenheit mit der eigenen finanziellen Situation kontinuierlich ab. Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den Regionen. Besonders in den großen Städten existiert eine große Einkommensschicht im unteren Bereich – Menschen, die arbeiten, aber gerade so über die Runden kommen. Die Anzahl dieser Armutsgefährdeten könnte zunehmen, wenn sich die derzeitige Inflation festsetzt. Schon heute ist die Armutsgefährdungsquote, d.h. der Anteil derjenigen, die weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verdienen, in Nordrhein-Westfalen mit 17,4 Prozent überdurchschnittlich.

Nordrhein-Westfalen scheint den Strukturwandel – weg von der Kohle hin zu anderen Industrien und in das Dienstleistungsgewerbe – gut gemeistert zu haben. Die Arbeitszufriedenheit liegt mit 7,13 Punkten 2022 sogar leicht über Gesamtdeutschland. Das tat sie auch in den Jahren 2015 bis 2018. Kein Wunder, denn große Unternehmen mit gut bezahlten Arbeitsplätzen sind in Nordrhein-Westfalen ansässig (E.ON, Metro, Telekom, Deutsche Post, Thyssenkrupp, usw.). Auch hier gibt es aber regionale Unterschiede: In der Mitte und im Süden ist das Land eher industriell und großunternehmerisch geprägt, während der Südwesten und insbesondere der Norden bzw. der Osten des Bundeslandes eher ländlich sind und mit kleineren und mittleren Unternehmen aufwartet.

Abbildung 3: Arbeitszufriedenheit der Nordrhein-Westfalen

Die Zufriedenheit mit der Arbeitssituation ist in Nordrhein-Westfalen mit 7,13 Punkten etwa im deutschen Durchschnitt. Von 2015 bis 2018 lag sie schon mal darüber.

Anmerkungen: Arbeitszufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2020, Glücksatlas-Datenbank 2021 bis 2022.

Die Lebenszufriedenheit in den Regionen Nordrhein-Westfalens

Die Lebenszufriedenheit im bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands ist sehr ungleich verteilt (Abbildung 4). Besonders hoch ist sie mit 7,44 Punkten im Münsterland. Damit sind die Münsteraner aus NRW sogar die glücklichsten Menschen in ganz Deutschland – noch vor den glücksverwöhnten Schleswig-Holsteinern! Auch die Westfalen geben hohe Zufriedenheitswerte an (7,04 Punkte). Deutlich geringer – aber im deutschlandweiten Vergleich immer noch im Mittelfeld – ist die Lebenszufriedenheit in den nordrheinischen Gebieten (Düsseldorf: 6,98 Punkte; Köln: 6,81 Punkte). Überraschend hohe Werte geben auch die Menschen aus dem Ruhrgebiet an (6,85 Punkte). Das Leben im Ruhrgebiet scheint somit besser zu sein als sein Ruf. Die Lebenszufriedenheit inmitten von NRW liegt weit oberhalb anderer Regionen wie der in Südhessen, im Saarland oder in Thüringen.

Abbildung 4: Münsterländer besonders zufrieden, das Ruhrgebiet ist besser als sein Ruf

Im Münsterland leben 2022 die glücklichsten Menschen Deutschlands. Auch andere Regionen wie Westfalen oder Nordrhein-Düsseldorf weisen hohe Zufriedenheitswerte auf.


Anmerkungen: Lebenszufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Glücksatlas-Datenbank 2022.

Familienzufriedenheit kehrt langsam zurück

Abbildung 5: Die Zufriedenheit der Nordrhein-Westfalen mit ihrem Familienleben

NRW kann sich 2022 wieder deutlich erholen. Umso schlechter erging es Familien in der Pandemie: Mit 7,02 Punkten war die Zufriedenheit mit dem Familienleben besonders niedrig.

Anmerkungen: Familienzufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2020, Glücksatlas-Datenbank 2021 bis 2022.

Die Familienzufriedenheit hat in NRW während Corona einen schweren Schlag hinnehmen müssen. Mit 7,02 Punkten lag sie 2021 um exakt einen Punkt unterhalb des Wertes von 2019 (Abbildung 5). 2022 kann sie sich wieder deutlich erholen (7,58 Punkte), besser als der Bundesschnitt, es ist aber immer noch eine lange Wegstrecke zu gehen.

Im Vergleich zu Gesamtdeutschland war das Familien-Glückstal während Corona deutlich tiefer. Der Anteil an Mehrpersonenhaushalten (drei und mehr Personen pro Haushalt) ist in NRW mit 25,3 Prozent höher als im Rest Deutschlands (23 Prozent). Gerade Familien litten aber unter der Pandemie: Kitas und Schulen waren zeitweise komplett geschlossen oder fuhren einen Hybridunterricht. Gut organisierte Alltage wurden über den Haufen geworfen. Hinzu kamen wirtschaftliche Unsicherheit und Kontaktbeschränkungen.

Abbildung 6: Die Zufriedenheit der Nordrhein-Westfalen mit ihrem Freizeit

Die Freizeitzufriedenheit ist in NRW meist leicht geringer als im bundesdeutschen Durchschnitt.

Anmerkungen: Freizeitzufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2020, Glücksatlas-Datenbank 2021 bis 2022.

Abbildung 6 zeigt den Verlauf der Freizeitzufriedenheit in Nordrhein-Westfalen seit 2015. Im Durchschnitt liegt diese zumeist minimal unterhalb des gesamtdeutschen Werts. 2022 erholt sich NRW bei der Freizeit weniger gut als andere Regionen. Die etwas geringere Freizeitzufriedenheit ist womöglich Ausdruck einer hohen Verstädterung. 23,1 Prozent des Bundeslands zählen zur Siedlungsfläche, d.h. sind bebaut mit Wohnhäusern, Straßen oder Industrie (Gesamtdeutschland: 10,7 Prozent). Allerdings ist Nordrhein-Westfalen auch hier sehr unterschiedlich. Im Münsterland und Westfalen sowie Teilen des Südwestens gibt es deutlich mehr Erholungs- und Waldflächen.

Stärken

Heben die Lebenszufriedenheit

  • Junge Bevölkerung.
  • Große Industrie- und Gewerbe­-unternehmen.
  • Im Münsterland und Westfalen: Ländliche Regionen mit hohem Erholungsfaktor.
  • Strukturwandel scheint in Teilen geglückt zu sein.

Schwächen

Senken die Lebenszufriedenheit

  • Hoher Anteil an Siedlungsfläche besonders in der Mitte des Bundeslandes.
  • Hohe Verwundbarkeit in der jetzigen Energiekrise, hoher Industrieanteil.

Niedersachsen ist ein vielfältiges Bundesland in dem viele unterschiedliche Faktoren zur Lebenszufriedenheit beitragen. Im Süden überwiegen Gewerbe und Industrie, im mittleren Teil und Westen die Landwirtschaft und an der Nordsee der Tourismus. Dennoch ist das Glück hier sehr gleich verteilt. Im Vergleich zu Gesamtdeutschland ist Niedersachsen ein repräsentatives Abbild Deutschlands.

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