Zu den Hauptinhalten springen

In Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg

Bundesland / Region

Bayern: Corona beeinträchtigt die Lebenszufriedenheit stark

Es ist kaum verwunderlich, dass die Coronapandemie Einfluss auf die Lebenszufriedenheit der Menschen in Deutschland hat. Wie sehr das südlichste Bundesland betroffen ist, zeigt ein Blick auf die Zufriedenheitsskala.

Um 0,49 Punkte stürzt der Zufriedenheitswert in Bayern ab - von 7,26 Punkten im Vor-Corona-Jahr 2019 auf 6,77 Punkte im Jahr 2021. Dennoch bleibt Bayern zufriedener als Gesamtdeutschland. Das ist auch schon fast durchgängig seit 2011 der Fall, wie der Verlauf der Glückskurven zeigt. Der Abstand betrug im Schnitt 0,19 Punkte auf der Skala zwischen 0 und 10 Punkten. Das ist viel.

Niedrigste Zufriedenheitswerte seit 1984

Im aktuellen Glücksranking der Regionen belegt Bayern insgesamt den dritten Platz. Das ist mitten in der Coronapandemie also nicht schlecht. Der Absturz seit 2019 aber ist dennoch gewaltig. So tiefe Zufriedenheitswerte hatte Bayern noch nie seit Beginn der Messungen 1984.

Abbildung 1: Corona trifft Bayern hart

Bayern gehört zu den überdurchschnittlich glücklichen Bundesländern. Nur 2013 hatte Gesamtdeutschland für ein Jahr »die Nase vorn«. In der Coronakrise stürzt Bayern um 0,49 Punkte in Lebensglück ab, bleibt aber zufriedener als viele andere Regionen Deutschlands.

54.000 Befragte zwischen 2011 und 2021: »Auf einer Skala von 0 bis 10, wie zufrieden sind Sie – alles in allem – mit Ihrem Leben?«

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel v36, Institut für Demoskopie Allensbach, Glücksatlas-Datenbank 2018-2021.

Im Jahr 2013 war Bayern einmalig unter das gesamtdeutsche Niveau gerutscht. Damals hatte es im Sommer starke Überschwemmungen entlang der Iller und des Inn gegeben – am stärksten war der Raum um Passau betroffen. Naturkatastrophen sind regelrechte »Glückskiller«, da sie die Menschen in allen Lebensbereichen betreffen (Berlemann 2015).

Auch die Coronapandemie ist eine »Naturkatastrophe« und es ist daher nicht überraschend, dass sie die Zufriedenheit in allen deutschen Regionen stark beeinträchtigt. Die Gründe für den Absturz sind vielfältig und liegen natürlich auch an den staatlichen Corona-Maßnahmen. So sank die Lebenszufriedenheit der Deutschen in Monaten des Lockdowns um durchschnittlich 0,52 Punkte, durch die Impfkampagne stieg sie wiederum um einen fast gleich hohen Wert.

Junge Menschen, Familien und Selbstständige besonders betroffen

Vor Corona waren jene Region im Vorteil, die einen hohen Anteil an jungen Menschen, jungen Familien und Selbständigen hatten. Bayern ist im deutschlandweiten Vergleich relativ jung und hat einen hohen Anteil an jungen Familien: 44,7 Prozent sind unter 40 Jahre alt (Deutschland: 42,8 Prozent), 26,1 Prozent sind in dem südlichen Bundesland Mehrpersonenhaushalte mit drei und mehr Mitgliedern (Deutschlandweit: 23 Prozent).

44,7% 44,7%
in Bayern

Anteil der unter 40-Jährigen

  • in Bayern Ø
  • in Deutschland Ø

In der Coronakrise wurden diese Vorteile jedoch zu Nachteilen. Es waren gerade diese Personengruppen, die besonders unter den Schul- und Kitaschließungen, den Kontakt- und Freizeitbeschränkungen, dem Homeoffice und den Betriebseinschränkungen (Hotels, Einzelhandel, etc.) zu leiden hatten.

Zudem waren sämtliche Familienmitglieder monatelang zu Hause – ein solcher Stresslevel kann Auslöser für Konflikte sein. Die Lebenszufriedenheit dieser Gruppen ging stärker zurück als die von Rentnern, Alleinstehenden oder Beamten. All diese Faktoren erklären die coronabedingt starken Glücksverluste in Bayern.

Freizeitzufriedenheit bricht in Corona ein

Die Coronapandemie trifft verschiedene Zufriedenheitsbereiche unterschiedlich stark. Die Freizeitzufriedenheit brach deutschlandweit regelrecht ein, auch in Bayern - von durchschnittlich 7,6 Punkten in 2019 auf 5,08 Punkte (2021). Die meisten Freizeitaktivitäten waren stark eingeschränkt. Gerade in den »Lockdowns« beschränkt sich die Freizeitgestaltung oftmals auf Fernsehen, Smartphone und Spaziergängen. Besuche von Bekannten und Verwandten wurden stets mit Sorgen um eine potentielle Ansteckungsgefahr begleitet und waren entsprechend weniger entspannt.

Abbildung 2: Bayern und seine Bereichszufriedenheiten

Besonders die Zufriedenheit mit der Freizeit erlebte durch die coronabedingten Einschränkungen einen herben Rückschlag auf nur 5,08 Punkte. Die anderen Bereiche sind deutlich schwächer betroffen. Die Gesundheitszufriedenheit nimmt sogar leicht zu.

Zufriedenheitsskala von 0 (»ganz und gar nicht zufrieden«) bis 10 (»völlig zufrieden«). Die Gesundheitszufriedenheit für 2021 ist auf Grundlage der gesamtdeutschen Daten geschätzt.

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel v36, Glücksatlas-Datenbank 2020/2021.

Verglichen mit der Freizeit kommen andere Lebensbereiche da noch recht glimpflich davon. Die Arbeitszufriedenheit nimmt in Bayern nur um 0,15 Punkte ab (2019: 7,2 Punkte auf 2021: 7,05 Punkte). Viele Beschäftigte machten Bekanntschaft mit Homeoffice und digitalen Konferenzen. Andererseits sicherte die Bundes- und Landesregierung Arbeitsplätze durch Konjunkturhilfen und Kurzarbeiterprogramme. So wurde anfänglichen Unsicherheiten und Ängsten schnell begegnet. Allerdings sind die Belastungen unterschiedlich stark verteilt: Gerade Selbstständige aus dem Dienstleistungssektor (Gaststätten, Tourismus, Friseure, Wellness usw.) erlebten herbe Verluste bis hin zum Geschäftsverlust. In Bayern ist der Anteil an Selbstständigen mit 9,9 Prozent höher als in Gesamtdeutschland (9,2 Prozent).

Zwei Bereichszufriedenheiten haben sich in Bayern während der Corona-Krise hingegen verbessert: Die Zufriedenheit mit dem Haushaltseinkommen stieg leicht von 6,90 auf 6,98 Punkte. Der Großteil der Bayern konnte ihr Einkommensniveau und ihren Lebensstandard in der Pandemie halten.

Auch die Gesundheitszufriedenheit nahm zu – auf 7,1 Punkte. Das klingt in einer Pandemie paradox. Aber anscheinend schätzen die Menschen ihre eigene Gesundheit aufgrund der Konfrontation mit der Pandemie höher ein.

Bayerns Stärken für mehr Lebensglück

Dass sich das Glücksniveau der Bayern dennoch auf einem hohen Niveau behaupten konnte, hat mit Stärken zu tun, die von Corona nicht so sehr beeinflusst wurden.

Wohlstand

Eine dieser Stärken ist der Wohlstand: Die verfügbaren Einkommen liegen weit oberhalb des deutschen Durchschnitts und der allgemeine Lebensstandard in Bayern ist hoch. Während das durchschnittliche verfügbare Haushaltsnettoeinkommen in Deutschland 22.810 Euro beträgt, liegt Bayern mit 26.250 Euro deutlich darüber. Trotz der teilweise sehr hohen Miet- und Lebenshaltungskosten verbleibt in Bayern die Armutsgefährdungsquote auf niedrigem Niveau.

Dazu trägt auch die sehr niedrige Arbeitslosigkeit bei. Und Arbeitslosigkeit ist ein großer Unglücksfaktor.

Gesundheitssituation

Eine weitere Stärke Bayerns ist die sehr gute allgemeine Gesundheitssituation (ganz unabhängig von Corona). Der Anteil gesundheitlich beeinträchtigter Personen ist mit 16,8 % geringer als im Bundesdurchschnitt (19,3%), die Bevölkerung ist jung und die Pflegequote ist mit nur 28,9 Personen pro 1000 Einwohner sehr niedrig (Deutschland: 42,3).

16,8% 0
gesundheitlich
beeinträchtigter
Personen
  • in Bayern Ø
  • in Deutschland Ø

Umwelt- und Lebensqualität

Positiv zum Lebensglück trägt in Bayern auch die hohe Umwelt- und Lebensqualität bei. Sie zeigt sich in intakten Natur- und Kulturlandschaften, vielen Freizeitmöglichkeiten (Wandern, Schwim­men, Fahrradstrecken) und einem hohen Anteil ländlich geprägter Regionen. Menschen, die auf dem Land leben, sind etwas glücklicher als Städter – in Bayern mit seinem Dorf- und Klein­stadtambiente trifft das für viele Menschen zu.

Siegeseffekt

Auf einen Sondereffekt machte vor einigen Jahren eine Studie des DIW Berlin aufmerksam. Sie fand heraus, dass CSU-Wähler und FC Bayern München-Fans durch regelmäßige Siegeserfahrungen immer wieder kurzfristige »Zufriedenheitssprünge« erleben (Richter 2014). Diese regelmäßigen Siegeserfahrungen heben die kollektive Lebenszufriedenheit dauerhaft an (»Siegesseffekt«).

Mal sehen, ob das so bleibt. Für alle Menschen gilt: In der Gemeinschaft (z.B. in einem Verein, einer Partei, der Kirche etc.) und dem allgemeinen Gefühl, kulturell und wirtschaftlich von anderen unterscheidbar zu sein, entsteht ein glückstiftendes Identitäts- und Verbundenheitsgefühl. Das bayrische „mia san mia“ hat also eine glückstiftende Komponente

Glückliche Oberfranken

Um die Unterschiede in der Lebenszufriedenheit zwischen den bayrischen Regionen betrachten zu können, müssen wir unsere Datenbasis erweitern und nutzen die Ergebnisse der letzten fünf Jahre von 2017 bis 2021. Dabei fallen tatsächlich einige regionale Unterschiede auf. In »Oberfranken-Ost« (7,45 Punkte) - rund um die Stadt Bayreuth und das Fichtelgebirge – leben die zufriedensten Menschen Bayerns. In den Regionen »Augsburg« (7,04 Punkte), dem »Bayrischen Untermain« (z.B. Aschaffenburg, 7,11 Punkte) sowie »Mittelfranken« (hauptsächlich Nürnberg, 7,12 Punkte) leben etwas unglücklichere Menschen. Die Unterschiede sind statistisch signifikant: Regensburger sind zufriedener als Nürnberger, Münchener zufriedener als Augsburger. Woran das liegt? Zumindest die wirtschaftlichen Indikatoren sind in Regensburg und München etwas stärker – beide Städte haben eine niedrigere Arbeitslosenquote und ein höheres Haushaltseinkommen als Nürnberg oder Augsburg.

Glückregionen in Bayern

Besonders zufrieden mit ihrem Leben sind die Menschen in Oberfranken-Ost – also rund um das Fichtelgebirge und die Stadt Bayreuth. Mit deutlichem Abstand liegt die Region Augsburg mit 7,04 Punkten am unteren Ende Bayerns.


Unterschiede zwischen Nürnberg und Regensburg, zwischen Augsburg und München signifikant

Allgemeine Lebenszufriedenheit im Durchschnitt (0 = »ganz und gar unzufrieden« bis 10 = »völlig zufrieden«). Die Jahre 2017 bis 2021 gehen jeweils gleich stark gewichtet ein. Die Zuschneidung der Regionen entsprechen der »Laufenden Raumbeobachtung« des BBSR.

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2017 bis 2019, Glücksatlas-Datenbank 2020/2021, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung.

Zum Weiterlesen

  • Baetschmann, G. (2014): Heterogeneity in the Relationship between Happiness and Age: Evidence from the German Socio-economic Panel. In: German Economic Review, 15(3), S. 393-410. zur Webseite

  • Frijters, P.; Beatton, T. (2012): Heterogeneity in the Relationship between Happiness and Age: Evidence from the German Socio-economic Panel. In: German Economic Review, 15(3), S. 393-410. zur Webseite

Nach oben