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In Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg

Glücksatlas 2022

Sachsen-Anhalt: Stark in der Krise

Sachsen-Anhalt gehört mit Brandenburg zu den Bundesländern, die durch die Pandemie am wenigsten Lebenszufriedenheit einbüßten. 2021 zählte das Land sogar – mit Schleswig-Holstein zusammen – zu den glücklichsten Regionen Deutschlands. 2022 liegt Sachsen-Anhalt auf einem guten mittleren Platz. Vor allem die Zufriedenheit mit der Arbeit und der Familie ist hier hoch.

Ihre Lebenszufriedenheit bewerteten die Sachsen-Anhalter bis zum Jahr 2019 durchschnittlich um 0,35 Punkte geringer als die übrigen Deutschen (Abbildung 1). Dieser erhebliche Rückstand brachte der Region stets Plätze im hinteren Teil des Glücksrankings der Regionen ein. Doch mit Pandemiebeginn änderte sich die Lage schlagartig. Zwischen dem Glückshoch im Jahr 2019 und dem Corona-Tiefpunkt 2021 fällt die durchschnittliche Zufriedenheit in Sachsen-Anhalt um 0,14 Punkte ab und liegt danach mit 6,78 Punkten nur knapp über dem Wert von 2016. Dagegen brach das Glücksniveau alle Bundesländer im Schnitt während Corona um 0,58 Punkte ein. Allerdings: Während sich der Bundesschnitt inzwischen wieder leicht erholt hat, tut sich in Sachsen-Anhalt nur wenig. 2022 bleibt die durchschnittliche Lebenszufriedenheit mit 6,79 Punkten auf gleichem Niveau wie in der Corona-Pandemie.

Abbildung 1: Lebenszufriedenheit stabilisiert sich in Sachsen-Anhalt

Jahrelang gehört Sachsen-Anhalt zu den unglücklicheren Regionen Deutschlands. In der Krise sinkt ihre Zufriedenheit jedoch weniger als in den übrigen Bundesländern.

Anmerkung: Lebenszufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2017, Glücksatlas-Datenbank 2015 bis 2022.

Warum schnitten die Sachsen-Anhalter während der Pandemie vergleichsweise sehr gut ab? Sie wurden nicht glücklicher, sie wurden nur von den Lockdowns nicht so sehr getroffen. Alle Bundesländer rauschten in der Corona-Zeit mit dem Aufzug nach unten, die westdeutschen kamen allerdings aus den höheren Etagen und die ostdeutschen hatten die sanftere Landung. Regionen mit überdurchschnittlich mehr jungen Familien, Jungen und Selbstständigen sowie mit hohen Anteilen an Großstädtern litten durch die Corona-Einschränkungen besonders. Weil im Westen der Anteil dieser Gruppen größer ist als im Osten, schnitten Länder wie Sachsen-Anhalt in der Pandemie so gut ab. Auch die Lockdown-Politik war im Osten, vor allem 2020, weniger restriktiv als im Westen.

Einkommenszufriedenheit sinkt auch in Sachsen-Anhalt, Arbeitszufriedenheit tendiert nach unten

Abbildung 2: Die Zufriedenheit der Sachsen-Anhalter mit ihrem Haushaltseinkommen

Auch in Sachsen-Anhalt sinkt 2022 die Einkommenszufriedenheit – angesichts des geringen Einkommens sind 6,31 Punkte aber noch vergleichsweise hoch.

Anmerkungen: Einkommenszufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«). Haushaltseinkommen: Nettoeinkommen aller Haushaltsmitglieder nach Steuern und Sozialabgaben, aber plus Transfers wie Wohn- oder Kindergeld.

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2020, Glücksatlas-Datenbank 2021 bis 2022.

Als ostdeutsches Bundesland sind die Bruttolöhne und -gehälter in Sachsen-Anhalt eher gering. Aber sie sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Erhielt ein Arbeitnehmer im Jahr 2011 noch in etwa 2000 Euro brutto im Monat, verdient er im Jahr 2020 zirka 2600 Euro. Auch im deutschlandweiten Vergleich hat sich das Einkommen der Sachsen-Anhalter verbessert. Seit 2019 (Abbildung 2). geht es allerdings – wegen der Reallohnverluste – auch hier bergab und die Einkommenszufriedenheit nähert sich dem deutschlandweiten Niveau an. 2022 liegt sie bei durchschnittlich 6,31 Punkten, 0,18 Punkte unter dem bundesdeutschen Durchschnitt. Das ist aber deutlich besser als in anderen einkommensschwachen Bundesländern: Die Bremer sind z.B. mit einem ähnlichen Einkommen deutlich unzufriedener (5,26 Punkte). Zusammen mit der niedrig gebliebenen Arbeitslosenquote stellt das die Sachsen-Anhalter auch in der Krise auf ein solides finanzielles Fundament.

Abbildung 3: Arbeitszufriedenheit der Sachsen-Anhalter

Die Arbeitszufriedenheit geht in der Tendenz nach unten. 2022 liegt sie bei 7,23 Punkten.

Anmerkungen: Arbeitszufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2020, Glücksatlas-Datenbank 2021 bis 2022.

Wie die stabile Lebenszufriedenheit in Sachsen-Anhalt (Abbildung 1) zeigt, haben die Menschen in Sachsen-Anhalt die Pandemie-Auswirkungen wie Homeoffice, Isolation oder eingeschränkte Freizeitmöglichkeiten besser verkraftet. Warum ist das so? Neben den oben genannten soziodemografischen Fakten dürfte auch die verbesserte persönliche wirtschaftliche Situation eine Rolle spielen. Noch nie war die Arbeitslosenquote mit 7,1 % in Sachsen-Anhalt so gering wie im Vor-Pandemie-Jahr 2019. In den frühen 2000er Jahren betrug lag sie bei bis zu 20 %. Von einem eklatanten Anstieg der Arbeitslosigkeit im Lockdownjahr 2020 kann nicht gesprochen werden – es ging gerade mal auf 7,7 Prozent hoch, 2021 waren es 7,3 Prozent.

In den kommenden Jahren wird Sachsen-Anhalt auch für hochqualifizierte Fachkräfte attraktiver werden. Durch beispielsweise die Ansiedlung eines neuen Werkes des Chipherstellers Intel in der Magdeburger Region werden langfristig Arbeitsplätze geschaffen, welche auch ein höheres Lohnniveau erwarten lassen.

Die hohe Arbeitszufriedenheit in Sachsen-Anhalt hängt damit zusammen. Sie wurde durch die Corona-Pandemie auch nur geringfügig berührt. Mit ihrer Arbeit sind die Sachsen-Anhalter (7,23 Punkte) sogar zufriedener als Gesamtdeutschland (7,09 Punkte) (Abbildung 3).

Familien- und Freizeitzufriedenheit erholen sich wieder

Abbildung 4: Die Zufriedenheit der Sachsen-Anhalter mit ihrem Familienleben

Vor allem unter den geschlossenen Kitas und Schulen hat die Zufriedenheit mit dem Familienleben während der Corona-Zeit gelitten.

Anmerkungen: Familienzufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2020, Glücksatlas-Datenbank 2021 bis 2022.

Wie in ganz Deutschland haben Homeschooling, Homeoffice und Kita-Schließungen die Zufriedenheit mit dem Familienleben auch in Sachsen-Anhalt stark beeinträchtigt. 2021 ging es steil bergab. Die Erholung ist allerdings 2022 sehr stark, so dass die Familienzufriedenheit nur noch wenig vom alten Niveau entfernt ist.

Abbildung 5: Die Zufriedenheit der Sachsen-Anhalter mit ihrer Freizeit

2022 liegt die Freizeitzufriedenheit bei 6,39 Punkten – und liegt damit wieder auf dem Erholungspfad.

Anmerkungen: Freizeitzufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2020, Glücksatlas-Datenbank 2021 bis 2022.

Die Einschränkungen des sozialen und öffentlichen Lebens zu Beginn des Jahres 2020 hat die Freizeitgestaltung der Menschen in Sachsen-Anhalt massiv beeinträchtigt. Die Freizeitzufriedenheit sackt zwischen 2019 und 2021 um 2,46 Punkte absacken. 2022 liegt sie bei 6,39 Punkten und konnte sich wieder etwas erholen. Damit bewegt sich die Region ähnlich wie Gesamtdeutschland. Merkwürdigerweise hat sich der gute Freizeitwert des eher ländlich geprägten Bundeslands nicht merklich auf die Freizeitzufriedenheit ausgewirkt.

Stärken

Heben die Lebenszufriedenheit

  • Wirtschaftliche Dynamik nimmt zu
  • Gute soziale Infrastruktur (z.B. Kitas)
  • Hoher Freizeitwert, großer ländlicher Raum
  • Abwanderung gut ausgebildeter Arbeitskräfte scheint gebremst

Schwächen

Senken die Lebenszufriedenheit

  • Ökonomisch (noch) strukturell schwach
  • Bevölkerung altert
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