Zu den Hauptinhalten springen

In Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg

Glücksatlas 2022

Saarland: In einer Schwächephase

Nach Corona erholt sich die Lebenszufriedenheit im Saarland kaum. Die Einkommen bleiben im deutschlandweiten Vergleich gering und der Großteil des Strukturwandels in dem industriell geprägten Land steht noch aus. Positiv im Saarland bleiben aber der starke soziale Zusammenhalt und die hohe Wohneigentumsquote.

Das Saarland entwickelt sich zum westdeutschen Sorgenkind. In den letzten Jahren lag die Region mal über, mal unter dem Bundesschnitt der Lebenszufriedenheit. Doch mit aktuell 6,49 Punkten fällt es auf Platz 15 des Glücksrankings 2022 und liegt im Wohlbefinden weit hinter Gesamtdeutschland mit 6,86 Punkten (Abbildung1). Schon in der Corona-Pandemie sank das Glücksniveau auf 6,46 Punkte. Dabei spielte die Pandemie, wie überall, eine große Rolle. Doch jetzt kommen unübersehbar ökonomische Krisenindikatoren hinzu. Schon kurz vor Ausbruch des Ukraine-Krieges im Februar 2022 sahen die Saarländer den Arbeitsmarkt als größtes Problem an (Saarlandtrend 2022).

Abbildung 1: Lebenszufriedenheit erholt sich nach der Corona-Pandemie minimal

Die Saarländer geben 2022 mit 6,49 Punkten eine besonders geringe Lebenszufriedenheit an und bleiben seit Beginn der Corona-Pandemie weit unterhalb des gesamtdeutschen Durchschnitts.

Anmerkung: Lebenszufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2017, Glücksatlas-Datenbank 2015 bis 2022.

Die Vorboten der Rezession lassen kaum Raum für eine Erholung der Lebenszufriedenheit. Die rasant steigenden Energiepreise bringen die Zukunft des Ford-Werks in Saarlouis in die Ungewissheit, nachdem der Strukturwandel im Steinkohleabbau vor nicht allzu langer Zeit bewältigt wurde. Die zunehmende Inflation gefährdet zudem den Wohlstand, sollte sie sich verstetigen. Laut einer Studie der HTW Saar sehen 6 von 10 Saarländern seit der Corona-Pandemie überdies eine Abnahme des gesellschaftlichen Zusammenhalts. All diese Faktoren drücken die Stimmung.

Einkommenszufriedenheit wie gewohnt niedrig, die Saarländer waren in der Corona-Pandemie mit ihrer Arbeit aber sehr zufrieden

Abbildung 2: Die Zufriedenheit der Saarländer mit ihrem Haushaltseinkommen

Die Saarländer sind klassischerweise mit ihrem Einkommen unzufriedener als Gesamtdeutschland – so auch 2022.

Anmerkungen: Einkommenszufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«). Haushaltseinkommen: Nettoeinkommen aller Haus-haltsmitglieder nach Steuern und Sozialabgaben, aber plus Transfers wie Wohn- oder Kindergeld.

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2020, Glücksatlas-Datenbank 2021 bis 2022.

Das Saarland gehört – neben Bremen und dem Ruhrgebiet – zu den ärmsten westdeutschen Regionen. Der Landkreis Merzig-Wadern ist mit einem verfügbaren Einkommen von 19.988 Euro je Einwohner sogar auf dem Niveau von ärmeren Regionen Ostdeutschlands. Es überrascht nicht, dass die Saarländer mit ihrer finanziellen Situation traditionell unzufriedener sind als Gesamtdeutschland. Schon 2019 lag die Einkommenszufriedenheit 0,53 Punkte unter dem Schnitt (Abbildung 2). Mit 6,31 Punkten bewegt sich der Wert wieder ähnlich niedrig wie zu Beginn der 2010er-Jahre, einer Zeit als der beendete Steinkohleabbau im Saarland finanziell abgefedert werden musste.

Abbildung 3: Arbeitszufriedenheit der Saarländer

Das industriell geprägte Saarland war in den Corona-Jahren mit der Arbeitssituation sehr zufrieden – 2022 sinkt die Arbeitszufriedenheit aber auf das gesamtdeutsche Niveau.

Anmerkungen: Arbeitszufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2020, Glücksatlas-Datenbank 2021 bis 2022.

2022 errechnen wir für die Saarländer seit 2020 einen Reallohnverlust von 6,14 Prozent (Deutschland: 5,44 Prozent): Die Preissteigerungen treffen die Menschen hier somit besonders heftig. Nur beim Wohnen sieht es noch gut aus: Die Nettokaltmiete ist seit 2015 um nur acht Prozent gestiegen, ausgehend von bereits sehr geringen Mieten. Die Saarländer sind überdies wahre Spitzenreiter beim Wohneigentum: 64,7 Prozent der Haushalte leben im Saarland in den eigenen vier Wänden – deutschlandweit sind es nur 46,5 Prozent.

Familienzufriedenheit sinkt unerwartet, die Freizeitzufriedenheit erholt sich wieder

Abbildung 4: Die Zufriedenheit der Saarländer mit ihrem Familienleben

Überraschenderweise waren die Familien im Saarland während Corona sehr zufrieden – 2022 sinkt die Familienzufriedenheit aber stark ab.

Anmerkungen: Familienzufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2020, Glücksatlas-Datenbank 2021 bis 2022.

Die Zufriedenheit mit dem Familienleben entwickelt sich im Saarland gegen den deutschlandweiten Trend. In der Corona-Pandemie stabilisierte sich der Wert bei 7,82 Punkten (Abbildung 4), während dieser deutschlandweit deutlich auf 7,17 Punkte fiel. Mit dem Auslaufen der Maßnahmen 2022 fällt die Familienzufriedenheit im Saarland aber auf 7,25 Punkte, während sie sich in Deutschland auf 7,42 Punkte erholt.

Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Die starke gewerbliche Struktur legt nahe, dass nur wenige Saarländer ins Homeoffice mussten und den Familien somit in der Corona-Pandemie das Homeoffice und das Beschulen der Kinder von zu Hause aus eher erspart blieb. Zudem ist die Frauenerwerbsquote im Saarland relativ gering – so konnten die Frauen den Corona-Alltag zu Hause besser meistern als in anderen Bundesländern, in denen Mütter deutlich häufiger unter gleichzeitiger Belastung von Beruf, Kindern und Haushalt litten.

Abbildung 5: Die Zufriedenheit der Saarländer mit ihrer Freizeit

Die Freizeitzufriedenheit im Saarland erholt sich 2022 auf 6,24 Punkten, bleibt aber im deutschlandweiten Vergleich gering.

Anmerkungen: Freizeitzufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2020, Glücksatlas-Datenbank 2021 bis 2022.

In der Freizeitzufriedenheit folgen die Saarländer allerdings dem Verlauf Gesamtdeutschlands (Abbildung 5). In der Corona-Pandemie fiel sie drastisch von 7,13 auf 5,19 Punkte. 2022 erholt sie sich wieder auf 6,24 Punkte. Mit dem Blies- und Saargau haben die Saarländer ländliche Regionen mit vielen Freizeitmöglichkeiten. Zudem laden Frankreich und Luxemburg zu Ausflügen ins Ausland ein. Allerdings ist die Zufriedenheit mit dem Freizeitleben geringer als in anderen Teilen Deutschlands.

Stärken

Heben die Lebenszufriedenheit

  • Hohe Wohneigentumsquote
  • In der Corona-Pandemie ein Vorteil: starke industrielle Prägung
  • Starkes Vereinsleben, hohe soziale Verbundenheit
  • Internationales Flair durch Angrenzung an Frankreich und Luxemburg

Schwächen

Senken die Lebenszufriedenheit

  • Bevölkerung altert schnell
  • In der Rezession ein Nachteil: starke industrielle Prägung
  • Wirtschaftlicher Strukturwandel schafft große Herausforderungen
  • Im westdeutschen Vergleich niedrige Einkommen
Nach oben