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In Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg

SKL Glücksatlas 2023

Die Erholung setzt sich langsam fort

2023 lassen wir Corona weiter hinter uns, leider nur in kleinen Schritten: Die Lebenszufriedenheit erholt sich leicht vom Corona-Tief. Frauen und Familien sind wieder glücklicher, aber besonders Jugendliche leiden unter diffusen Ängsten. Die Inflation hat ihren Schrecken etwas verloren. Schleswig-Holstein bleibt weiterhin die zufriedenste Region Deutschlands. Im breiten Mittelfeld mischen sich ost- und westdeutsche Regionen.

Die Erholung von den Glückseinbußen der Corona-Zeit verläuft 2023 schleppend, obwohl fast alle Einschränkungen weggefallen sind. Im Vergleich zum Tiefpunkt im schwersten Jahr der Corona-Pandemie (2021) mit 6,58 Punkten kann sich Deutschland um insgesamt 0,34 Punkte verbessern. So beträgt die Lebenszufriedenheit aktuell 6,92 Punkte (2023), ist aber immer noch 0,22 Punkte vom Vor-Corona-Niveau 2019 (7,14 Punkte) entfernt. (Abbildung 1). Der Zugewinn beträgt also in diesem Jahr nur 0,06 Punkte.

Abbildung 1: Leichter Anstieg der Lebenszufriedenheit 2023

Die Lebenszufriedenheit erholt sich 2023 auf 6,92 Punkte. In der Pandemie war sie 2021 auf 6,58 Punkte abgestürzt.

Anmerkung: Lebenszufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden«) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2004 bis 2017, Glücksatlas-Datenbank 2015 bis 2023.

Die Erholung verläuft vor allem deshalb nur zögerlich, weil die hohe Zahl der äußerst Unglücklichen, also jene Personen, die auf der Zufriedenheits-Skala (0 bis 10) Werte zwischen 0 und 4 angeben, nahezu unverändert geblieben ist. Während der Corona-Pandemie hat sich deren Anzahl verdoppelt und erreichte 10 Millionen, aktuell sind es etwa 7,5 Millionen Personen. Dieser Anteil hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert. Zwar hat erfreulicherweise der Optimismus zugenommen. So blicken zwei Drittel der Bevölkerung aktuell mit Optimismus in die Zukunft und nur 7 Prozent mit Pessimismus. Doch zeigt sich in einer der Befragungen des SKL Glücksatlas, die von der Universität Freiburg im Frühsommer 2023 durchgeführt wurden, dass die vielfältigen Belastungen, die die Menschen gegenwärtig spüren, gegenüber der Corona-Zeit zwar abgenommen haben, aber immer noch groß sind. Gegenwärtig fühlen sich 31,8 Prozent der Deutschen weniger belastet als zur Zeit der Pandemie, 45 Prozent sehen keinen Unterschied, und 23,2 Prozent geben an, aktuell sogar stärker als während der Pandemie unter einer erhöhten Anspannung zu leiden.

Was trägt zur Erholung nach Corona bei?

Die Corona-Pandemie hat Spuren in vielen Lebensbereichen hinterlassen. Während der Pandemie entwickelte sich das Wohlbefinden der Geschlechter auseinander. Dieser Happiness-Gender-Gap ist zwar rückläufig, aber noch nicht verschwunden. 2023 sind Frauen 0,06 Punkte unzufriedener mit ihrem Leben als gleichaltrige Männer. Dies ist zwar eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu 2020 (Gap: 0,19 Punkte), jedoch liegt der Wert immer noch höher als vor Ausbruch der Pandemie, als Frauen sogar geringfügig glücklicher waren als ihre männlichen Altersgenossen.

Die Zufriedenheit mit dem Familienleben, welches am heftigsten von Corona beeinträchtigt wurde, hat 2023 weiter zugenommen, und zwar um 0,06 Punkte auf 7,48 Punkte, ein Wert der noch deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau von 8,02 Punkten liegt. Die Nachwirkungen der Corona-Zeit zeigen sich am deutlichsten bei den Jugendlichen. Sie berichten über eine signifikante Zunahme diffuser Ängste, sei es vor Verlusten des Wohlstands, des Friedens, der Gesundheit oder den Auswirkungen der Klimaerwärmung. Im Jahr 2019 berichteten lediglich 7,6 Prozent der 18- bis 29-Jährigen von häufigen oder sehr häufigen Angstgefühlen, während es im Jahr 2023 bereits 16,4 Prozent sind. Dies entspricht einer Steigerung um 115 Prozent. Darüber hinaus ist die Lebenszufriedenheit der Jugendlichen noch immer weit vom Niveau von 2019 entfernt. Die 16- bis 29-Jährigen liegen um 0,33 Punkte unter diesem Niveau, während es bei den über 60-Jährigen nur 0,20 Punkte sind. Zum Problem ist auch die exzessive Internetnutzung geworden. Seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Nutzungsdauer von 195 Minuten pro Tag auf 284 Minuten (2022) gestiegen. Die vielen Stunden vor dem Bildschirm führen zu Schlaf- und Konzentrationsproblemen sowie Bewegungsmangel und einer schlechten Körperhaltung.

Abbildung 2: Starke Zunahme an Angstgefühlen

»Wie oft haben Sie sich in den letzten vier Wochen ängstlich gefühlt?«

Der Anteil der Deutschen, die manchmal, oft oder sehr oft Angstgefühle erlebt, hat sich im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit um 15 Prozent von 24 auf 39 Prozent vergrößert. Besonders die Jugendlichen sind davon betroffen.

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2008 bis 2017, Glücksatlas-Datenbank 2015 bis 2023.

Verbessert hat sich die Zufriedenheit mit dem Einkommen. Aufgrund der hohen Inflation war sie in den letzten Jahren stark gesunken (vom Höchststand 2019 mit 7,18 Punkten auf 6,49 Punkte 2022). Aktuell erholte sich die Einkommenszufriedenheit auf 6,64 Punkte, obwohl die Inflation weiterhin hoch ist. Dies deutet auf einen Gewöhnungseffekt hin. Allerdings hat sich auch der Abstand in der Lebenszufriedenheit zwischen den unteren und den obersten Einkommensgruppen stark vergrößert – von 0,6 Punkte (2020) auf einen Punkt (2023). Grund sind die Preissteigerungen.

Der Glücksabstand zwischen Ost- und Westdeutschland sinkt wieder

Die Erholung von den Auswirkungen der Corona-Krise setzte sich sowohl in West- als auch in Ostdeutschland fort. Gegenwärtig liegt das Glücksniveau im Osten bei 6,76 Punkten, im Westen bei 6,96 Punkten. Weil sich der Osten 2023 etwas besser erholt (um 0,09 Punkte) als der Westen (0,05 Punkte) verringert sich der Abstand zwischen beiden auf 0,20 Punkte; im Vorjahr betrug er noch 0,24 Punkte. Vor allem die drei ostdeutschen Bundesländer Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen können ihre Platzierungen im Ranking verbessern. Im Mittelfeld des Rankings haben sich die ostdeutschen Länder fest positioniert, es sind eher westdeutsche Flächenländer, vor allem Baden-Württemberg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz, die neuerdings Schwächen aufweisen. Ganz ist dieser Ost-West-Angleichungsprozess aber noch nicht vollzogen. An der Spitze des Bundesländer-Rankings sind die westdeutschen Spitzenländer (noch) unter sich. Die Einkommens- und Vermögenssituation ist bis heute schwächer als im Westen. Zudem hat Ostdeutschland eine ältere Bevölkerung.

Abbildung 3: Abstand zwischen Ost- und Westdeutschland sinkt wieder

Der Westen liegt 2023 nur 0,20 Punkte vor dem Osten, nachdem 2020 in der Pandemie der Abstand mit 0,05 Punkten fast verschwunden war. Vor allem einige ostdeutsche Länder haben sich 2023 besser von der Krise erholt.

Anmerkung: Lebenszufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden«) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 1990 bis 2013, Glücksatlas-Datenbank 2013 bis 2023.

Am wenigsten erholt haben sich die Jungen (Abbildung 3). Die Generation Z (1995 bis 2010 Geborene) verlor während Corona 1,0 Punkte an Lebenszufriedenheit. Um auf das alte Glücksniveau zurückzukehren, muss sie noch 0,52 Punkte gutmachen. Dagegen verloren die Älteren (1945+) durch Corona wenig und müssen auch nur noch 0,19 Punkte bis zum alten Niveau aufholen.

Das Glücksranking der Regionen

Auch 2023 ist Schleswig-Holstein mit 7,21 Punkten das glücklichste Bundesland, gefolgt von Hamburg (7,11 Punkte), Bayern (7,09 Punkte) und Hessen (7,06 Punkte). Auf den 5. Platz kommt Nordrhein-Westfalen (7,0 Punkte). Der Westen verteidigt mit hohen Zufriedenheitswerten die Spitzenplätze im Glücksranking. Dagegen liegen im Mittelfeld ost- und westdeutsche Länder eng nebeneinander. Hier steigen Sachsen-Anhalt (6,95 Punkte und Platz 6), Sachsen (6,92 Punkte) und Thüringen (6,83 Punkte) auf, während die westdeutschen Flächenländer Baden-Württemberg (6,88 Punkte), Niedersachsen (6,83 Punkte) und Rheinland-Pfalz (6,79 Punkte) schwächeln. Im Mittelfeld und am Ende des Bundesländer-Rankings gibt es kaum noch Unterschiede zwischen Ost und West. Die Durchmischung der ost- und westdeutschen Bundesländer ist eine Folge der Corona-Krise und dürfte irreversibel sein. Am unteren Ende des Rankings setzen sich das Saarland mit 6,21 Punkten und Mecklenburg-Vorpommern (6,19 Punkte) fest. In beiden Bundesländern sinkt 2023 sogar das Lebensglück, womit sie zu den Sorgenkindern der Bundesrepublik gehören.

Tabelle 1: Das Bundesländer Glücksranking 2023

Rang
2023
Rang
2022
Region Glücks-
index
2023
Glücks-
index
2022
Glücks-
index
2020/2021
Glücks-
index
2019
1 (1) Schleswig-Holstein 7,21 7,14 6,78 7,44
2 (4) Hamburg 7,11 6,96 6,74 7,27
3 (2) Bayern 7,09 7,06 6,77 7,26
4 (6) Hessen 7,06 6,82 6,66 7,31
5 (3) Nordrhein-Westfalen 7,00 6,98 6,73 7,17
6 (9) Sachsen-Anhalt 6,95 6,79 6,78 6,92
7 (10) Sachsen 6,92 6,68 6,58 6,98
8 (8) Baden-Württemberg 6,88 6,80 6,61 7,21
9 (12) Bremen 6,84 6,58 6,35 6,87
10 (7) Niedersachsen 6,83 6,80 6,59 7,19
11 (13) Thüringen 6,83 6,54 6,45 7,09
12 (11) Rheinland-Pfalz 6,79 6,65 6,62 7,03
13 (5) Brandenburg 6,79 6,87 6,74 6,76
14 (14) Berlin 6,62 6,53 6,20 6,93
15 (15) Saarland 6,21 6,49 6,46 7,26
16 (16) Mecklenburg-Vorpommern 6,19 6,35 6,60 6,87

Schleswig-Holstein bleibt weiterhin auf Platz 1. Fünf westdeutsche Länder bilden die Spitze des Glücksrankings. Im Mittelfeld und am Ende des Bundesländer-Rankings gibt es kaum noch Unterschiede zwischen Ost und West. 2023 wächst der Abstand zwischen glücklichstem und unglücklichstem Land wieder – auf 0,79 Punkte.

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Glücksatlas-Datenbank 2019 bis 2023.

Zusätzlich zum Glücksranking der 16 Bundesländer ließen die hohen Befragungszahlen und Stichprobengrößen auch weitere regionale Differenzierungen zu. Innerhalb mancher Bundesländer sind die Glücksdifferenzen größer als zwischen einzelnen Bundesländern (Abbildung 4) und sie sind 2023 gewachsen: Der Abstand zwischen der glücklichsten und der unglücklichsten Region hat sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich vergrößert. Zwischen dem Erstplatzierten Holstein (7,36 Punkte) und dem Schlusslicht Mecklenburg (5,98) liegen 1,38 Punkte. 2022 betrug der Abstand nur 1,09 Punkte. Allerdings ging die Anzahl der Sorgenregionen (mit deutlichem statistischen Abstand zum Mittelfeld) stark zurück – von 12 Regionen 2022 auf drei (2023).

Abbildung 4: Glücksranking der 32 Regionen 2022

Ein Blick auf 32 Regionen in Deutschland zeigt große Glücksunterschiede: Die dunkelblauen Flächen zeigen die Glücksregionen, die im äußersten Norden, im Süden und im Westen zu finden sind. Abseits des großen, durchmischten Mittelfelds gehören Berlin, das Saarland und Mecklenburg zu den Sorgenregionen Deutschlands.


Anmerkung: Lebenszufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden«) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Glücksatlas-Datenbank 2019 bis 2023.

Der SKL Glücksatlas

Der SKL Glücksatlas ist die aktuellste regelmäßige Studie zur Lebenszufriedenheit der Deutschen. Seit 2023 ist die SKL (Süddeutsche Klassenlotterie) Partner des Glücksatlas. Die wissenschaftliche Leitung hat Prof. Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg.

„Mit unserem Engagement für den SKL Glücksatlas wollen wir die Forschung über Zufriedenheit und Wohlbefinden in Deutschland erweitern und die Ergebnisse der Glücksforschung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen“, sagt Prof. Dr. Bettina Rothärmel – Vorstandsvorsitzende der GKL Gemeinsame Klassenlotterie der Länder – Veranstalterin der SKL-Lotterien.

Mit Beginn der Partnerschaft initiiert die SKL eine wissenschaftliche Glücksdatenbank für Journalistinnen, Journalisten und Interessierte: Unter skl-gluecksatlas.de werden kontinuierlich aktuelle Daten, Analysen und Sonderstudien über die Entwicklung der Lebenszufriedenheit in Deutschland bereitgestellt und damit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Datenbasis

Die Daten für den SKL Glücksatlas 2023 stammen aus insgesamt 11 Befragungen von August 2022 bis Juni 2023 (mindestens 4-wöchig) mit insgesamt 11.425 repräsentativ Befragten ab 16 Jahren in Form von mündlich-persönlichen Interviews durch das Institut für Demoskopie Allensbach zur Erfassung der allgemeinen Lebenszufriedenheit der Deutschen. Zur Erfassung der Zufriedenheiten mit den Lebensbereichen Arbeit, Einkommen, Familie und Gesundheit wurden vom IfD Allensbach von Februar bis April 2023 insgesamt 3.109 Bürger ab 16 Jahren repräsentativ in Form von mündlich-persönlichen Interviews befragt. Zudem befragte das Berliner Meinungsforschungsinstitut Ipsos insgesamt 2.000 Deutsche zwischen 18 und 65 Jahren (computergestützte Online-Befragung) repräsentativ zum Einfluss von Inflation und Ukraine-Krieg auf die Lebenszufriedenheit.

Der SKL Glücksatlas 2023 ist als Buch beim Penguin Verlag erschienen und ab sofort im Handel erhältlich. Eine Zusammenfassung der Studie sowie Fact Sheets zu den Regionen sowie Bildmaterial stehen unter www.skl-gluecksatlas.de.


Weiteres Pressematerial zum Download finden Sie hier:
www.skl-gluecksatlas.de/info/presse


Die höchste Lebenszufriedenheit findet sich in Städten, die familiär, beschaulich, sicher und grün geblieben sind. Hohe Einkommen und Wirtschaftskraft spielen für das Lebensglück nur eine untergeordnete Rolle. Reiche Städte wie München sind nur im Mittelfeld, ärmere wie Erfurt stehen an der Spitze. Am wichtigsten für die Lebenszufriedenheit ist die städtische Familien- und Bildungspolitik, gefolgt von einer guten Gesundheitsversorgung. Kassel ist die glücklichste Stadt Deutschlands, Rostock die unglücklichste der 40 größten Städte.

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