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In Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg

Glücksatlas 2022

Brandenburg: Der ostdeutsche Aufsteiger

Brandenburg entwickelt sich zum ostdeutschen Aufsteiger. Während der Pandemie rückte es auf Platz 4 im Glücksranking der Bundesländer. 2022 belegt es einen hervorragenden fünften Platz. Das Land ist am besten durch die Pandemie gekommen. Brandenburg profitiert besonders vom Großraum Berlin und ist auch ökonomisch im Aufwind.

Die Corona-Pandemie hat die Lebenszufriedenheit der Brandenburger insgesamt nur wenig geschmälert (Abbildung 1). Die Zufriedenheit mit der Familie oder der Freizeit brach zwar ähnlich dramatisch ein wie im übrigen Deutschland. Insgesamt aber verharrte das Lebensglück auf dem Vor-Corona-Niveau. Das ist bundesweit ziemlich einzigartig. In den Corona-Jahren 2020 und 2021 lag die durchschnittliche Lebenszufriedenheit auf der Skala zwischen 0 (»ganz und gar nicht zufrieden«) bis 10 (»völlig zufrieden«) bei 6,74 Punkten und damit nur 0,02 Punkte unterhalb des Wertes von 2019. In anderen Bundesländern fiel das Lebensglück teilweise dramatisch – in Hessen büßten die Menschen zum Beispiel 0,65 Punkte ein. Aber auch Nachbarbundesländer wie Sachsen (minus 0,4 Punkte) traf es deutlich härter.

Es gibt drei Faktoren, die das gute Abschneiden während der Corona-Krise erklären: Erstens ist Brandenburg ein relativ altes Bundesland, das Durchschnittsalter liegt bei 47,2 Jahren (Gesamtdeutschland: 44,6 Jahre). Ältere Menschen büßten aber kaum an Lebensglück während Corona ein, vielmehr traf es die Lebenszufriedenheit junger Menschen und von Familien. Brandenburg ist zweitens ein sehr ländlich geprägtes Bundesland. Auf dem Land spielten die Corona-Maßnahmen eine kleinere Rolle und warfen den Alltag weniger stark »über den Haufen« als in der Stadt. Drittens waren die Corona-Maßnahmen in Brandenburg deutlich milder als in anderen Bundesländern. Kindertagesstätten und Schulen waren kürzer geschlossen, Freizeiteinrichtungen länger zugänglich.

Abbildung 1: Corona lässt Brandenburger Lebenszufriedenheit kalt

Die Corona-Pandemie spielte für das Lebensglück der Brandenburger nur eine geringe Rolle. Auch 2022 liegt Brandenburg mit 6,87 Punkten leicht über dem gesamtdeutschen Durchschnitt.

Anmerkung: Lebenszufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2017, Glücksatlas-Datenbank 2015 bis 2022.

2022 berichten die Brandenburger von einer durchschnittlichen Lebenszufriedenheit von 6,87 Punkten. Damit liegen sie etwas über dem Niveau von 2017, während die meisten anderen Bundesländer sich nur hinlänglich von den Corona-Tiefpunkten erholen (Abbildung 1). Zwei jüngere Entwicklungen begünstigen das Wohlbefinden der Brandenburger. Zum einen verbessert sich die ökonomische Situation. Der Wohlstand hatte in der zweiten Hälfte der 2010-Jahre stark zugenommen – dank eines großen Automobilbauers und einem boomenden Tourismus. Zum anderen scheint der Wegzug aus Brandenburg gestoppt, weil es nachgewiesenermaßen immer mehr Berliner ins Brandenburger Land zieht. Die Gründe dafür sind vielfältig: Manche suchen die Ruhe im Alter, andere wollen Familien gründen und ihre Kinder im Grünen aufziehen, wiederum andere wollen einen ehemals verlassenen Hof betreiben. Die Digitalisierung machts möglich: Viele Dienstleistungsjobs lassen sich auch außerhalb Berlins erledigen.

Unzufriedenheit mit der finanziellen Situation nimmt zu, Arbeitszufriedenheit sinkt leicht

Abbildung 2: Die Zufriedenheit der Brandenburger mit ihrem Haushaltseinkommen

Brandenburgs Unzufriedenheit mit der finanziellen Situation nimmt zu. Die Einkommenszufriedenheit liegt 2022 bei nur 6,15 Punkten – ein Negativrekord.

Anmerkungen: Einkommenszufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«). Haushaltseinkommen: Nettoeinkommen aller Haus-haltsmitglieder nach Steuern und Sozialabgaben, aber plus Transfers wie Wohn- oder Kindergeld.

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2020, Glücksatlas-Datenbank 2021 bis 2022.

Nach wie vor gehört Brandenburg zu den Bundesländern mit den niedrigsten Einkommen. 21.560 Euro haben sie jährlich nach Abzug von Steuern, Sozialbeiträgen und Wohnkosten zur Verfügung. Zum Vergleich: In Bayern sind es 26.260 Euro. Trotzdem waren die Brandenburger lange mit ihrer Einkommenssituation zufrieden. Erst seit 2020 fällt die Zufriedenheit mit der finanziellen Situation immer weiter ab (Abbildung 2). 2022 sind es nur noch durchschnittlich 6,15 Punkte, ein Negativrekord in Deutschland. Der Kaufkraftverlust und die Inflation machen zunehmend zu schaffen. In Brandenburg leben viele Rentnerinnen und Rentner mit geringem Einkommen. Durch die schlechte Infrastruktur auf dem Land sind sie häufig auf einen einzigen Lebensmittelhandel im nächstgelegenen Ort angewiesen und können kaum Preise vergleichen. Immerhin: Die Warmmieten sind in Brandenburg mit gerade mal 8,00 Euro je Quadratmeter noch erschwinglich (Gesamtdeutschland: 9,10 Euro).

Abbildung 3: Arbeitszufriedenheit der Brandenburger

Brandenburgs Arbeitszufriedenheit sinkt leicht auf 7,22 Punkte. Traditionell sind die Brandenburger mit ihrer Arbeit aber sehr zufrieden.

Anmerkungen: Arbeitszufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2020, Glücksatlas-Datenbank 2021 bis 2022.

Sehr zufrieden sind die Brandenburger mit ihrer Arbeitssituation (Abbildung 3). Mit 7,22 Punkten liegen sie auch 2022 oberhalb des bundesdeutschen Durchschnitts (7,09 Punkte). Aber die Arbeitszufriedenheit war schon mal höher: 2019 betrug sie noch 7,37 Punkte, 2021 waren es 7,3 Punkte. Offenbar schwächelt die Zufriedenheit mit der Arbeit, auch wenn noch kein eindeutiger Trend erkennbar ist.

Brandenburg ist größtenteils sehr ländlich geprägt. Neben dem Tourismus, Handwerksbetrieben und staatlichen Einrichtungen gibt es oft nur wenige Arbeitgeber. Ausnahmen bilden der Lausitzer Raum (z.B. mit der »Lausitz Energie Bergbau AG «) und besonders der Großraum um Berlin: In Potsdam und Schönefeld locken zahlreiche Dienstleistungsjobs. Viele Brandenburger arbeiten zudem in Berlin und nehmen zum Teil lange Pendelwege auf sich.

Familien- und Freizeitzufriedenheit erholen sich wieder

Abbildung 4: Die Zufriedenheit der Brandenburger mit ihrem Familienleben

Vor allem unter den geschlossenen Kitas und Schulen hat die Zufriedenheit mit dem Familienleben während der Corona-Zeit gelitten.

Anmerkungen: Familienzufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2020, Glücksatlas-Datenbank 2021 bis 2022.

Ein Auf und Ab erleben die Brandenburger mit ihrer Familienzufriedenheit. Noch vor 2019 waren sie mit über 8 Punkten sehr glücklich mit ihrem Familienleben (Abbildung 4). In der Corona-Pandemie rauschte der Wert aber auf 6,77 Punkte herab. 2022 steigt er wieder auf 7,61 Punkte und nähert sich den Vor-Corona-Werten an. Diese starke Schwankung ist eigentlich unverständlich. Denn in der Pandemie sank die Zufriedenheit mit dem Familienleben am wenigsten bei Menschen in ländlicher Umgebung und bei den Senioren. Brandenburgs Anteil an diesen beiden Bevölkerungsgruppen ist aber überdurchschnittlich hoch. Ein näherer Blick in die Daten zeigt denn auch, dass insbesondere die Menschen aus dem Großraum Berlin besonders niedrige Werte in der Familienzufriedenheit angaben.

Abbildung 5: Die Zufriedenheit der Brandenburger mit ihrem Freizeit

2022 kann sich die Freizeitzufriedenheit wieder auf 6,56 Punkte erholen.

Anmerkungen: Freizeitzufriedenheit von 0 (»ganz und gar unzufrieden) bis 10 (»völlig zufrieden«).

Quelle: Sozio-oekonomisches Panel 2015 bis 2020, Glücksatlas-Datenbank 2021 bis 2022.

Auch die Entwicklung der Freizeitzufriedenheit gibt – wie die Familienzufriedenheit – Rätsel auf. Mit 4,72 Punkten berichteten die Brandenburger 2021 von einer besonders geringen Zufriedenheit. Bei einem so ländlich geprägten Bundesland müsste die Unzufriedenheit mit dem Freizeitleben aber geringer sein.  Mit 6,56 Punkten kann sie sich allerdings 2022 wieder erholen und bewegt sich in Richtung Vor-Corona-Niveau. Brandenburg profitiert eigentlich von vielen Freizeitmöglichkeiten und intakten Naturlandschaften – sei es der Spreewald, die Lausitz oder die Uckermark.

Stärken

Heben die Lebenszufriedenheit

  • Profiteur von Berlin, seit ein paar Jahren auch starker Zuzug aus der Hauptstadt
  • Intakte Naturlandschaften, viele Freizeitmöglichkeiten
  • Neue große Arbeitgeber im Großraum Berlin

Schwächen

Senken die Lebenszufriedenheit

  • Alternde Bevölkerung
  • Wirtschaftliche Strukturschwäche an den »Rändern« Brandenburgs

Die Lebenszufriedenheit Berlins war und ist im deutschlandweiten Vergleich unterdurchschnittlich. Corona hat vor allem bei den jungen Berlinern tiefe Spuren hinterlassen und die Erholung ist noch verhalten. Doch in einigen Bereichen geht es aufwärts. Vor allem in einem Bereich haben die Berliner die Nase vorn: In ihrer Freizeitzufriedenheit.

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